Das Sterben ist ein Thema, über das außer in ganz bestimmten Kreisen (Sterbebegleitung, Hospizarbeit o.ä.) sehr wenig gesprochen wird. Im „normalen“ Alltag bleibt dieses Thema außen vor. Man hört zwar öfter, dass da und dort ein Baby geboren wurde, aber sehr selten wird offen über das Sterben gesprochen.
Mittlerweile habe ich ein sehr gelöstes Verhältnis zu diesem Thema, habe aber schon die Erfahrung gemacht, dass nicht jeder so begeistert davon ist. Es muss ja einen Grund dafür geben, dass nirgendwo offen über das Sterben gesprochen wird :-)
In unserer westlichen Welt wird das Thema Sterben meistens sorgfältig verdrängt, bis es uns dann unmittelbar begegnet. Wir tun irgendwie so, als wären wir unsterblich, als wären wir für immer in diesem Körper und in dieser Lebenssituation – bis wir irgendwann realisieren, dass es nicht so ist. Vielleicht erfahren wir vom Sterben eines Bekannten, Verwandten oder sogar eines ehemaligen Partners.
Ich empfinde es als hilfreich und klärend für mich, dieses Thema ab und zu in mir zu berühren. Es gibt gegenwärtig in meinem Leben keinen äußeren Grund, mich damit zu beschäftigen, doch ich möchte lieber nicht damit warten, bis mich irgendwann ein äußerer Grund dazu zwingt.
Ich empfinde die Tatsache, dass mein Körper – meine äußere Form – vergänglich ist, als etwas sehr befreiendes. Irgendwann wird sich diese Form auflösen, in der ich mich heute befinde. Meine Seele, die Lebendigkeit in mir, meine Essenz wird weiterhin da sein, aber die äußere Form verschwindet.
Das Sterben kann uns die Augen dafür öffnen, dass es jenseits der oberflächlichen Welt noch etwas anderes gibt. Es ist ein Geschenk, hier in dieser Welt sein zu können, in der wir so viele verschiedene Formen erfahren können. Und doch ist es tröstlich zu wissen: Es gibt noch mehr.
Natürlich muss man nicht auf den Moment des Sterbens warten, um sich dessen bewusst zu werden. Man kann jeden Tag nutzen, um mit dem stillen Sein im Inneren in Kontakt zu treten. Mehr und mehr wird die Liebe der Seele zum Hintergrund des eigenen Lebens. Im Vordergrund gibt es Dinge zu erledigen, das Leben tanzt seinen Tanz. Im Hintergrund ist ein Raum der Stille und der Geborgenheit.
Auch wenn äußere Formen kommen und gehen, gibt es etwas Unsterbliches in uns, was ewig ist und bleibt. Wir können unsere Seele nicht verlieren. Sie ist nicht an diesen Körper gebunden. Sie wohnt nur vorübergehend hier. Und wenn es Zeit wird, weiterzugehen, gehen wir weiter.
Muss ich wissen, wohin? Brauche ich eine genaue Vorstellung in meinem Verstand über das, was während und nach dem Sterben geschieht? Das bleibt jedem selbst überlassen. Ich empfinde es als beruhigend zu fühlen, dass meine Seele, immer weiß, wohin es weitergeht. Sie weiß es jetzt, während ich hier bin, und sie weiß es dann, wenn es Zeit wird weiterzugehen. Die Frage ist, ob ich damit im Einklang sein kann – heute und dann…
P.S. Falls dich das Thema anspricht kann ich dir das Buch von Sogyal Rinpoche Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben empfehlen. Es ist liebevoll geschrieben und begleitet über die Auseinandersetzung mit dem Sterben in eine tiefere Erfahrung des eigenen Lebens.
Das Vater Unser stammt direkt von Jeshua und besitzt eine äußerst reine und kraftvolle Energie. Wie ich in meinem früheren Beitrag schon angedeutet habe finde ich, dass das Vater Unser eine perfekte Schablone für das Wiederverbinden mit dem ursprünglichen reinen Bewusstsein ist – mit Gott, in der essentiellen Bedeutung des Wortes. Ich nutze es im Grunde täglich.
Man braucht sich nicht von den Worten des Vater Unsers abschrecken zu lassen, die vielleicht für heutige Ohren teilweise etwas altertümlich und unbeholfen klingen. Worte sind nur ein Wegweiser. Wenn man diese Worte als einen solchen Wegweiser zum reinen Bewusstsein versteht, ist das Vater Unser in seiner Einfachheit und Präzision kaum zu übertreffen. Und Kathleen McGowans Buch gibt einem schöne Anregungen, um es in seinem Leben in diesem Sinne kraftvoll und effektiv nutzen zu können.
Um die innere Struktur des Vater Unser aufzuschlüsseln nimmt Kathleen McGowan in ihrem Buch die 6-blättrige Rose als Vorlage, wie sie sich im Zentrum des berühmten Labyrinths in der Kathedrale von Chartres befindet. Mit diesem Labyrinth (und mit vergleichbaren Labyrinthen auch an anderen Orten) hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Chartres war in der Zeit des Mittelalters die Heimat einer wichtigen christlichen Mysterienschule, und das Labyrinth war ein zentraler Bestandteil ihrer spirituellen Praxis.
„Labyrinth“ ist für diese Art von Struktur eigentlich nicht ganz das richtige Wort, da wir mit diesem Begriff herkömmlicherweise eher etwas mit vielen Wegen und Abzweigungen verbinden, in dem man sich leicht verirren kann. Diese Art von Labyrinth, die hier gemeint ist, besteht vielmehr aus einem einzigen, immer wieder gewundenen und kurvenreichen Pfad, der irgendwann ins Zentrum des Labyrinthes führt und dort endet.
Das Labyrinth ist ein Symbol für den eigenen spirituellen Entdeckens- oder Entwicklungsweg. Wie im Labyrinth veranschaulicht, so gibt es auch in unserem Leben immer wieder neue Wendungen, Kurven, Richtungen. Wenn man dabei aber immer auf seinem eigenen Weg bleibt, kann man sich nicht verirren, und kommt irgendwann in der Mitte, bei Gott, im reinen Bewusstsein, bei sich selbst an. Der Gang durch ein solches Labyrinth kann eine wundervolle spirituelle Übung sein, bei der man das Gefühl für den eigenen Weg stärken kann – weil es im alltäglichen Leben ja oft nicht so einfach ist, immer auf dem eigenen Weg zu bleiben und diesen jederzeit wahrzunehmen. Im Labyrinth sieht man ihn aber immer vor sich und geht ihn Schritt für Schritt.
In diesem Video (englisch) spricht Kathleen McGowan über ihr Buch und die persönlichen Erfahrungen, die ihm zugrundeliegen:
In der letzten Runde des Wohnzimmers, unserem Onlineworkshop, haben wir unter anderem das Thema „Berufung“ bewegt. Mit dem Erwachen kommt bei vielen Menschen ein tiefes Bedürfnis auf, die eigene Berufung zu leben. Dieses Bedürfnis ist wichtig, denn es führt uns auf einen Weg, der unserem Leben mehr Tiefe gibt.
Natürlich mischt sich auch dabei oft der Verstand ein und will genau wissen, was jetzt die eigene Berufung ist. Der Verstand möchte sich ein genaues Bild darüber machen können, wie die eigene Berufung aussieht. Da die Berufung aber nichts mit dem Verstand zu tun hat, ist ein achtsamer Umgang mit diesem Thema wichtig.
Zunächst einmal kann man sich bewusst machen, dass es nicht in erster Linie wichtig ist, was man tut, sondern wie man es tut. Sicher gibt es Berufe, die einem mehr entsprechen als andere, aber beinahe alle Tätigkeiten verwandeln sich, sobald wir eine neue innere Haltung dazu einnehmen. Meiner Ansicht nach beginnt die Berufung nicht mit der äußeren Form des Berufs, sondern mit der inneren Einstellung, die ich habe, während ich etwas tue.
Das Schöne daran ist, dass man nicht auf den perfekten Beruf warten muss, der irgendwann in der Zukunft entstehen soll – sondern man kann heute beginnen. Jetzt und hier.
Die Sehnsucht, die tiefe Verbindung zu sich selbst und zur eigenen Seele im eigenen Beruf zu fühlen, ist nicht von der äußeren Form dessen abhängig was man gerade tut. Es kann sein, dass man die langweiligste Aufgabe hat, die man sich nur vorstellen kann und während man diese Aufgabe erledigt, bleibt man verbunden mit sich selbst und der Seele. Auf einmal verändert sich diese langweilige Aufgabe, sie füllt sich – aus der Tiefe – mit Leben und Bedeutung.
Matthias und ich staunen jedes Mal, wenn wir in Königstein auf den Wertstoffhof fahren, um dort unseren Müll abzugeben. Dort arbeiten ältere Herren, die einem unter anderem mitteilen, in welchen Container man die mitgebrachten Müllstücke sortieren muss. Viele würden sagen, dass diese Art von Arbeit sehr eintönig ist – oder zumindest eine nicht besonders gut angesehene Arbeit. Doch die Gelassenheit und die Sorgfalt, mit der diese Menschen ihre Arbeit tun, sind einfach berührend. Es herrscht immer gute Stimmung, die Atmosphäre ist gelöst, selbst wenn viel Betrieb ist. Wir fahren immer gerne dorthin.
Das ist für mich ein Beispiel für erwachtes Tun. Sobald man die tiefere Stille in sich selbst in das eigene Tun einfließen lässt, entstehen neue Ergebnisse. So bekommt das eigene Tun einen neuen Sinn: Es geht nicht nur darum, die offensichtliche Aufgabe zu erledigen, z.B. den Müll zu sortieren, sondern es geht auch darum, auf ganz natürliche Weise eine Stille und ein neues Bewusstsein in die Welt zu bringen.
Vielleicht hast du Lust, heute mit deinem Beruf – oder den Tätigkeiten die heute vor dir liegen zu experimentieren. Kannst du mit der Tiefe in dir verbunden bleiben, während du deine Aufgaben erledigst? Darf die Liebe deiner Seele in alles einfließen, was du tust?
Öfter wurde ich schon gefragt, wie man anderen Menschen vergeben kann. Zunächst einmal fällt mir dabei auf, dass man Vergebung überhaupt nicht „tun“ kann. Ich glaube dass es hauptsächlich eine Verstandesübung ist, wenn man sich hinstellt und sagt: „Ich vergebe diesem Menschen.“ Manchmal steckt einfach nur der Gedanke dahinter, dass es besser sei, oder spiritueller sei, anderen zu vergeben, und dann „tut“ man es eben.
Mich interessiert viel mehr, wie natürliche Vergebung entsteht. Dazu habe ich gerade heute ein schönes Beispiel erlebt. Wir waren mit unserem Hund im Wald spazieren. Für mich sind diese Spaziergänge immer eine wundervolle Gelegenheit, zu sein. Ich spüre den Wald, die Lebendigkeit in jedem einzelnen Baum, rieche die Waldluft und irgendwann verschwinden alle Gedanken und es kehrt Ruhe ein.
Auf einmal kracht es im Unterholz und zwei Männer auf Mountainbikes kommen den Pfad herunter gerast, dass die Kieselsteine nur so beiseite spritzen. Sie unterhalten sich lauthals und wir können gerade noch zur Seite springen. Ich spüre wie Ärger in mir aufsteigt. „So eine Unverschämtheit. Wie kann jemand nur so unachtsam durch die Gegend rasen.“ Ich beobachte meinen Ärger und erlaube mir, damit zu sein.
Nach einer Weile bemerke ich eine tiefe Stille hinter meinem Ärger. Es tut gut, zu fühlen, dass hinter allen Dingen die Liebe meiner Seele präsent ist - auch hinter meinem Ärger. Je länger ich damit bin, umso mehr schmilzt der Ärger und löst sich in der unendlichen Weite meiner Seele auf.
Auf einmal regt sich ein neues Verständnis in mir: „Ach so, die beiden preschen so schnell durch den Wald, weil sie die ganze Woche im Büro eingepfercht sitzen müssen. Sie sehnen sich danach endlich wieder lebendig zu sein. Sie denken überhaupt nicht daran, dass auch andere Menschen im Wald spazieren gehen möchten.“ Da fällt mir auch der schöne Ausspruch von Jeshua ein - von ihm gesagt zwar in einer viel extremeren Situation, aber vom Prinzip her vergleichbar: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Vergebung geschieht, wenn wir präsent werden und mit dem sind, was gerade ist. So schnell geschieht es, dass man urteilt, reagiert, provoziert, ablehnt, sich über andere stellt – da kann keine Vergebung geschehen. Nur wenn man sich erlaubt da zu sein, schutzlos da zu sein, wird Vergebung möglich.
Vielleicht ist Vergebung nichts anderes als das Erwachen von einem tieferen Verständnis in unserem Inneren. Vielleicht ist es auch der Moment, wo wir die Erwartung aufgeben, von allen Menschen verstanden und geliebt zu werden und wahrnehmen, wie es jetzt in diesem Augenblick wirklich ist – und damit sind.
Letzte Woche habe ich einen Beitrag über den Schmerz geschrieben. Es ist so wichtig zu lernen, mit dem eigenen Schmerz zu sein anstatt ihn auszuagieren. Diese Woche haben mir viele Klienten geschrieben, die dabei sind, genau das zu üben.
Eine häufige Frage, die aufkommt ist: „Wie gehe ich damit um, wenn mein Schmerz von einem anderen Menschen ausgelöst wird?“
Es ist herausfordernd in solchen Momenten bewusst zu bleiben und zu erkennen, dass der andere Mensch deinen Schmerz zwar ausgelöst, aber nicht verursacht hat. Der Schmerz war schon lange vorher da und hat darauf gewartet, an die Oberfläche kommen zu dürfen.
Wenn ein Autofahrer hinter dir dicht auffährt und drängelt, kann das Schmerz auslösen. Wenn jemand abfällig über etwas spricht, das dir viel bedeutet, kann das Schmerz auslösen. Sogar wenn du bei einem Brettspiel verlierst, kann das Schmerz auslösen.
Während ich übe, mit meinem Schmerz zu sein, übe ich bewusst wahrzunehmen, wenn mein Schmerz berührt wird. Ich übe dabei zu sein und zu fühlen: „Oh, jetzt kommt mein Schmerz auf.“ Anstatt all meine Aufmerksamkeit dafür zu verwenden, zu reagieren, versuche ich all meine Aufmerksamkeit zu verwenden, um mit dem zu sein, was gerade ist.
Reagieren ist ein unbewusster Reflex, z.B. wenn man verbal angegriffen wird und – ohne nachzudenken – mit einem noch gemeineren Schimpfwort zurückschlägt. Sobald man den Schmerz als Triebfeder für eine Reaktion benutzt, entsteht neuer Schmerz.
Ein gutes Beispiel für dieses ewige Reagieren ist der Comic „Tom und Jerry“. Die Katze und die Maus zeigen uns humorvoll was geschieht, wenn man ewig aus dem eigenen Schmerz heraus reagiert.
Bedeutet das, dass man sich alles gefallen lassen muss? Nein. Es wird Momente geben, wo du mit deinem Schmerz bist und erkennst: „So, jetzt wird es Zeit, diese Situation zu verlassen.“
Um bewusst handeln zu können brauchst du weder zu kämpfen noch Gewalt anzuwenden. Es genügt, mit deinem eigenen Schmerz zu sein. Entweder entsteht dabei ein tiefer Frieden und ein Einverständnis mit der Situation – oder es entsteht ein tiefer Frieden und die Erkenntnis, dass du eine Veränderung herbeiführen wirst.
Einen schönen kleinen Artikel über das Bedingungslose Grundeinkommen gibt es von Susanne Wiest in der Zeitschrift info3. Susanne bezieht sich darin auf einen der Hauptentwürfe für ein Grundeinkommen, bei dem dieses durch eine sogenannte „Konsumsteuer“ (=eine erhöhte Mehrwertsteuer) finanziert werden soll. Und nicht nur das Grundeinkommen soll darüber finanziert werden – auch alle anderen Ausgaben des Staates. Im Gegenzug sollen alle Steuern, die wir gegenwärtig bezahlen, wegfallen (Einkommenssteuer usw.).
Susanne Wiest schreibt in ihrem Beitrag, dass ihr der Begriff „Konsumsteuer“ allerdings nicht so gut gefällt, da für viele Menschen negative Assoziationen damit verknüpft sind. Sie schlägt den Begriff „Ermöglichungsabgabe“ vor – da durch eine solche Abgabe ja alle Leistungen des Staates ermöglicht würden, die gegenwärtig durch konventionelle Steuern finanziert werden, z.B. Straßenbau, Kindergärten usw.
Das gefällt mir ausgesprochen gut – ich bin immer dafür, neue Begriffe einzuführen, die die Energie einer neuen Zeit besser zum Ausdruck bringen können. (Noch schöner fände ich in diesem Fall allerdings vielleicht die „Ermöglichungsgabe“ - statt der „Abgabe“, die noch ein bisschen nach Verpflichtung klingt, und weniger nach etwas, das frei und aus der Fülle heraus geschieht.)
Nachtrag: Susanne Wiest verweist in einem weiteren Beitrag noch auf eine Liste von 9 Dingen, die jeder tun kann, wenn er die Realisierung eines Bedingungslosen Grundeinkommens unterstützen möchte.
Ein Thema, das vielen Klienten beim Weichen Atmen begegnet ist das Gefühl: „Wenn ich mich sinken lasse und atme, nehme ich meine Probleme nicht mehr wahr. Ich nehme gar nichts mehr wahr – nur Stille.“ Zunächst könnte man vielleicht meinen, das sei der Effekt, den wir durch das Weiche Atmen erzielen wollen, doch weit gefehlt.
Das Herausgehen aus dem Jetzt, hinein in eine Leere Welt der Stille und des Nicht-Fühlens gleicht einer Flucht vor dem Jetzt. Durch diese Praxis verändert sich überhaupt nichts. Das Weggehen schafft zwar kurzfristige Erleichterung, doch sobald man in das Jetzt zurückkehrt, sind alle Probleme unverändert wieder da. Das Weggehen aus dem Jetzt ist nicht nur wirkungslos, sondern es verstärkt das Gefühl, machtlos und hilflos zu sein, gefangen in einer feindlichen Welt.
Mein Eindruck ist, dass sich hier antrainierte Haltungen zeigen, die vielleicht in einem vergangenen Leben als buddhistischer Mönch oder als Anhänger einer extremen Form von Meditation entstanden sind. Viele Religionen und spirituelle Richtungen haben die äußere Welt als Hindernis auf dem Weg zu Gott (zur Seele, zum wahren Sein) wahrgenommen. Dahinter stehen die verzweifelte Annahme, dass Gott in dieser Welt der äußeren Formen nicht zu finden ist, und die Hoffnung, Gott wiederzufinden, wenn man die äußere Welt ausblendet.
Doch wir sind hier um die Welt zu durchschauen, zu meistern, nicht um uns durch meditative Tricks davonzuschleichen. Wenn wir erkennen, dass die göttliche Präsenz, das wahre Sein, durch alle Formen hindurch leuchtet, so wird klar, dass wir uns auch hier in der Welt der äußeren Formen mit unserem Ursprung verbinden können.
Es darf eine Bewegung nach innen geben, um uns mit dem wahren Sein zu verbinden. Doch es darf auch eine Bewegung nach außen geben, die uns erlaubt das wahre Sein in äußeren Formen zu erfahren. (Hier denke ich gerade wieder an unser Seminar „Meisterschaft im Neuen Bewusstsein - Den inneren und den äußeren Weg verbinden“.)
Falls du also bemerkst, dass du die Verbindung zu deinem Leben verlierst, wenn du weich atmest, dann ist es hilfreich etwas in deiner Gewohnheit zu verändern. Dir darüber bewusst zu werden, dass du die Tendenz hast, wegzugehen, ist der erste Schritt. Es kann hilfreich sein, deine Augen beim Atmen geöffnet zu lassen, dir über die Beine zu streichen und deinen Körper zu fühlen – oder das Atmen mit ruhigen Bewegungen zu verbinden. So bringst du das Atmen mitten in dein Leben – und dein Leben wird die Ruhe und den Frieden wiederspiegeln, den dein Atem hereinträgt.
Wie schnell geschieht es, dass man einem Gedanken folgt (egal ob positiv oder negativ), der einen in Windeseile davonträgt in die Zukunft oder die Vergangenheit? Sehr schnell. Oft erkennt man erst Stunden später, dass man gar nicht mehr bei sich ist und der Atem nicht mehr fließt.
Jeder Augenblick ist eine Tür zur Seele. In jedem Augenblick verbirgt sich eine tiefe Liebe, eine Geborgenheit und ein großer Frieden. Wenn wir den Augenblick ablehnen, dagegen ankämpfen oder vor ihm davonlaufen, halten wir die Tür zur Seele geschlossen.
Um sich daran zu erinnern, präsent zu bleiben kann es hilfreich sein, in der eigenen Wohnung (oder am Arbeitsplatz) kleine Erinnerungen aufzustellen oder aufzuhängen. Es kann alles mögliche sein, was dich daran erinnert, wieder in den jetzigen Moment zurückzukehren und mit dem zu sein, was ist.
Ich habe seit ein paar Wochen eine Erinnerung an meinem Platz aufgehängt, wo ich arbeite und eine weitere an der Tür, die ich jedes Mal öffne (und anschaue), wenn meine Arbeit zu Ende ist. Meine Erinnerung ist eine kurze Botschaft, die ich mir ausgedruckt habe: „Now - Diesem Moment begegnen. Liebevoll wahrnehmen, was ist.“ Wer möchte, kann sich diese Erinnerung hier als PDF runterladen und ausdrucken.
Ich habe für diejenigen, die mit dem englischen Wort Now (= Jetzt) nichts anfangen können auch eine deutsche Version erstellt. „Jetzt - Diesem Moment begegnen. Liebevoll wahrnehmen, was ist.“
Es gibt einen einfachen Grund dafür, weshalb wir sagen, der erste Schritt bei allem ist es immer, damit zu sein – mit unangenehmen Situationen, mit Anteilen, die aufkommen, negativen Gefühlen usw.
Denn das mitfühlende Sein löst sofort unsere Identifikation mit dem Anteil, der da so unangenehm aus seinem Schlummer aufgeweckt wurde und gerade schmerzerfüllt reagiert. Wir merken, dass wir nicht dieser Anteil sind – der Anteil ist einfach eine Form von Energie, und wir selbst sind diejenige, die ihn mitfühlend wahrnimmt.
Ein innerer Anteil ist nichts weiter als reine Lebensenergie, die irgendwo in unserem System feststeckt. Sobald wir unsere Identifikation mit dem Anteil gelöst haben, wird diese Energie wieder freigesetzt und kann wieder zu fließen beginnen. Eine neue Balance kann in unserem Inneren entstehen, Heilung kann geschehen.
Das sind ganz einfache, spirituelle Gesetzmäßigkeiten, die immer wirksam sind. Letztendlich ist alles sehr simpel, und jeder Mensch weiß diese Dinge in seinem tiefsten Inneren – die Herausforderung besteht darin, sich immer wieder neu daran zu erinnern.