Wenn alles zuviel wird - Teil 2 PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Samstag, 21. November 2009

Den Emails nach zu urteilen, die ich nach dem Schreiben von Wenn alles zuviel wird bekommen habe, scheint das für viele gerade eine wichtiges Thema zu sein. Wundervoll. Dann setzen wir dieses Thema doch einfach weiter fort...

Der letzte Beitrag zu diesem Thema beschäftigte sich mit den emotionalen Engpässen, in die wir manchmal geraten, wenn uns alles zuviel wird. Doch wie sieht es mit den äußeren Situationen aus, die uns manchmal zuviel werden können? Oft sind es unsere eigenen Schöpfungen, die wir voller Freude begonnen haben - und dann wird uns auf einmal alles zuviel.

Ich höre oft von Menschen, die gerade damit fertig geworden sind, eine neue Webseite aufzubauen oder ihre Termine für das kommende Jahr zu planen, oder einen Urlaub zu buchen. Und kaum ist diese Beschäftigung damit zu Ende, kippt alles. Die Webseite ist einfach nicht gut genug und wird der eigenen Kritik preis gegeben, die Termine wirken wie bedrohliche Ungetüme, die jeden Tag näher kommen und der Urlaub ist der zusätzliche Stress, der jetzt auf den eigenen Schultern lastet.

Was für eine Suppe haben wir uns da bloß eingebrockt?

Wir streben nach neuen Schöpfungen und wünschen sie uns auch - solange sie weit, weit weg sind. Doch wenn sie unserem Ruf antworten und mitten in unser Leben kommen, was dann? Da wird aus dem rosaroten Traum auf einmal Realität. Mit all ihren Ecken und Kanten. Und dann wird es uns manchmal zuviel.

Was tun wir, wenn wir bemerken, dass uns alles zuviel wird?

1. Wir schalten einen Gang höher.

Noch mehr Anstrengung, noch mehr Fokus, mit noch mehr Kraft durch diese Zeit hindurch kämpfen. Man möchte zurück zu dem Punkt, wo es wieder fließt und Freude macht. Die Taktik, sich einfach noch viel, viel mehr anzustrengen, scheint anfangs vielleicht zu funktionieren, bringt uns aber meisten zu Punkt 2.

2. Erschöpfung und Enttäuschung machen sich breit.

Der Körper streikt, die Energiereserven sind aufgebraucht und nicht einmal motivierende Sprüche locken uns hinter dem Ofen hervor. Das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten ist weg. Wir verlieren auch den letzten Rest an Freude an unseren Projekten.

3. Zurück zum alten oder auf zum nächsten Projekt?

Viele Selbständige spielen an diesem Punkt mit dem Gedanken, wieder zurück in ihren alten Job zu gehen. Vielleicht bin ich doch nicht der Typ, der sich selbständig machen kann. Auf einmal tauchen tausend logische Gründe auf, die diese Entscheidung unterstützen: Wirtschaftskrise, fehlende Erfahrung, keiner interessiert sich für meine Angebote, die Welt ist eben ein ganz schön deprimierender Ort…usw.

Das Problem ist, dass die Liebe und die Freude an deinem Projekt irgendwo tief in dir immer noch da ist. Und es tut weh, diese ganz abzuschreiben und aufzugeben.

Oder wir gehen über zum nächsten Projekt. Beim nächsten Partner, bei den nächsten Terminen, mit der nächsten Webseite wird alles ganz anders. Ein schöner Traum, der meistens nur ein Traum bleiben wird. Denn obwohl wir einen neuen Partner, eine neue Wohnung, eine neue Webseite erkämpft haben, haben wir eines zum Neuen mitgenommen: Uns selbst. Und in 99% der Fälle widerholen wir die Punkte 1-3 einfach noch einmal. Nur anders.

Hm. Was fehlt? Warum wird es uns überhaupt erst zuviel?

Viele Seelen tragen diese Erfahrung ganz tief in sich. Die Vorfreude auf dieses menschliche Leben war bei den meisten sehr groß. Doch je näher die Realität, mit all ihren Höhen und Tiefen, kam, desto mehr dachten wir: "Oh, wo bin ich hier bloß gelandet?" Es wurde uns alles zuviel. Und wir haben gelernt, die Tür zum Leben zu verschließen, oder zumindest anzulehnen.

Was geschieht in diesen Momenten, wo uns alles zuviel wird?

Wir vergessen unsere Seele.

Wir hören auf zu atmen. Wir hören auf, die Unterstützung unserer Seele anzunehmen. Wir hören auf, uns halten zu lassen.

Und das fühlt sich furchtbar an. Denn dann sind wir ganz alleine, hilflos ausgeliefert, abhängig und fühlen uns so richtig klein. Und jedes schöne Projekt, mag es noch so schön sein, wird in dem Moment zur Bedrohung.

Was soll ein schreiendes Baby mit einer neuen Homepage anfangen? Gar nichts. Es braucht Halt, Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Unterstützung, Wärme - all das. Und das bekommen wir nun einmal am besten bei unserer Seele.

In dem Moment, wo du bemerkst, dass dir alles zuviel wird, dass deine Aufmerksamkeit nur noch da draußen ist und nicht mehr da drinnen bei deiner Seele, hilft nur eins:

Zurück zur Seele.

Zurück zur Seele.

Zurück zur Seele.

Wie das geht? Es wird so viel Wind gemacht um dieses Thema, dabei ist es ganz einfach. Ein paar weiche Atemzüge in den Bauch strömen lassen. Und schon bist du wieder halb da. Und noch ein paar weiche Atemzüge in den Bauch und schon bist du wieder ganz da. Und falls dir das schwer fällt, hole dir einfach Hilfe.

Und eins noch: Dieser Moment wenn du das Gefühl hast, dir wird alles zuviel, ist NICHT der Moment, wo es darum geht, Probleme zu wälzen, dein Leben zu analysieren oder eine neue komplizierte Technik zu erlernen, die dich endlich aus dieser Situation befreien soll. Denn alles wird durch die Brille von Angst und Panik ganz verzerrt aussehen.

Das einzig wichtige ist: Zurück zur Seele. Zurück in die Mitte. Zurück in deinen Bauch. Zurück in dein Gefühl zu dir selbst.

Und dann. Dann wenn du dich wieder hast und die Liebe deiner Seele wieder spürst, dann ist immer noch ganz viel Zeit, um dein Leben zu analysieren und neue verwirrende Techniken zu erproben.

Aber vielleicht hast du darauf dann schon längst keine Lust mehr…

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