Was man verlernen muss, um weich atmen zu können PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Mittwoch, 02. Februar 2011

In den letzten Wochen hatte ich viele neue Klienten in den Einzelsitzungen. Das gab mir die Chance noch einmal genauer wahrzunehmen, wie man einen ersten Einstieg ins Weiche Atmen finden kann. Dabei fiel mir auf, dass es im Grunde weniger darum geht, etwas Neues zu lernen – es geht eher darum etwas Altes zu verlernen.

In der Schule haben wir gelernt, zu erkennen, was von uns erwartet wird und wie wir diese Erwartungen so schnell wie möglich erfüllen können. Es ging darum, ein Ziel anzuvisieren und dann mit so viel Druck und Anstrengung wie möglich auf dieses Ziel zuzusteuern. Wir wurden darauf trainiert zu funktionieren.

Wenn wir mit dem Weichen Atmen in Kontakt kommen, versuchen wir es zunächst genau so, wie wir es gelernt haben. Der Verstand fragt: Was soll ich erreichen? Er erkennt, dass es um den Kontakt mit der Seele geht, um eine tiefe Entspannung und ein weiches Fließen. Aha, denkt der Verstand und versucht mit all seiner Kraft dorthin zu kommen. Doch was geschieht? Wir verspannen uns noch mehr, unser Atem wird vom Verstand gelenkt, um etwas zu erreichen, dass wir so nicht erreichen können.

Das Weiche Atmen entsteht aus der Natur deines Körpers. Er hat mit deinem Verstand gar nichts zu tun. Der Weiche Atem ist ein Rhythmus der tief in deinem Inneren geboren wird. Anstatt deinem Verstand zu folgen und zu versuchen, diesen natürlichen Rhythmus zu beherrschen und zu kontrollieren – lädt uns der Weiche Atem dazu ein, die künstliche Kontrolle im Verstand loszulassen und uns dem natürlichen Rhythmus zu überlassen.

Wirkliches, Weiches Atmen führt uns heraus aus der Herrschaft des Verstandes, zurück in unseren ursprünglichen Zustand. Es erweckt unser Gefühl, es bringt unsere Lebensenergie zum Fließen und es bringt uns in Kontakt mit unserer Seele.

Wenn du also das nächste Mal versuchst, weich zu atmen, halte inne. Dieses anstrengende Versuchen kommt vom Verstand. Stattdessen probiere aus, dich von deinem eigenen Atem weitertragen zu lassen. Höre dem Atem zu, so wie er von alleine fließt.

Wer in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Nähe gemacht hat, der sollte besonders achtsam mit sich sein. Wenn du dich zum Atmen zwingst, dann ist das ungefähr so, als würdest du versuchen, jemandem gegen seinen Willen festzuhalten. Lass lieber nur ab und zu ein paar weiche Atemzüge fließen - so gibst du deinen ängstlichen Anteilen eine Chance, sich sicher zu fühlen.

Die ängstlichen Anteile sind die besten Lehrer auf dem Weg ins Weiche Atmen: Sie lehren uns, unsere Grenzen zu achten und geduldiger mit uns zu sein. Gib dir Erlaubnis, den harten Weg zu verlernen, und das Weiche Atmen zu entdecken.