Süchtig nach Unterstützung? PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Dienstag, 05. Januar 2010

Immer wieder höre ich Menschen darüber sprechen, dass sie große Angst davor haben, Unterstützung anzunehmen. Ich nehme lieber keine Sitzungen, weil ich Angst habe, davon abhängig zu werden. Oder: Oh nein, ich muss schon wieder für eine Sitzung anrufen obwohl ich mir fest vorgenommen habe, es nie wieder zu brauchen.

Auch im Bezug auf das Wohnzimmer habe ich mitbekommen, dass sich einige Teilnehmer Sorgen machen, das Wohnzimmer zu sehr zu brauchen, oder gar süchtig danach zu werden.

Mittlerweile kenne ich beide Seiten. Ich kenne es, selbst Klientin zu sein und Einzelsitzungen für mich in Anspruch zu nehmen. Das habe ich Jahre lang einmal pro Woche getan. Und ich kenne das Gefühl, Sitzungen zu geben. Das tue ich mittlerweile jeden Tag.

Ich habe beobachtet, dass ich selbst gar keinen Einfluss darauf habe, ob ich etwas brauche oder nicht. Entweder ich brauche es, oder ich brauche es nicht.

Was für mich viel wichtiger ist, ist meine Bedürfnisse - das was ich brauche, wahrzunehmen.

Ich brauche Ruhe. Ich brauche Raum für mich. Ich brauche Geld. Ich brauche Unterstützung, menschliche Liebe und Wärme. Ich brauche Halt. Ich brauche ein Bett zum Schlafen. Ich brauche gemütliche Kleidung und nahrhaftes Essen. (Ich könnte jetzt noch einige Stunden weiterschreiben und es würden mir sicher noch zahllose Dinge einfallen, die ich brauche.)

Ich schäme mich nicht dafür, diese Dinge zu brauchen. Ich finde nicht, dass es mich weniger wertvoll oder liebenswert macht.

Mein Ideal ist es nicht (mehr) ein Mönch zu sein, der versucht so wenig wie möglich mit dem Leben in Kontakt zu sein um etwas Höheres zu erreichen.

Meine Seele zeigt mir Tag für Tag, dass meine Bedürfnisse dafür da sind, mehr Liebe für mich anzunehmen. Ohne meine Bedürfnisse hätte ich niemals angefangen, mehr von meiner Seele anzunehmen. Ohne mein Bedürfnis nach Ausdruck gäbe es auch nicht diese Webseite oder meine Einzelsitzungen.

Je mehr wir uns erlauben Bedürfnisse zu haben, können wir beginnen zu fühlen, dass die Seele auf diese Bedürfnisse antwortet. Meine Seele weiß schon lange bevor ich es bemerke, was ich brauche. Wenn ich mein Bedürfnis wahrnehme, hat sie die Erfüllung für dieses Bedürfnis schon längst zurecht gelegt. Und ich brauche es nur einatmen und annehmen.

Wenn wir in die Natur schauen sehen wir ebenfalls, wie anmutig hier Bedürfnisse in den Fluss des Lebens eingebettet sind. Ein Baum braucht die Erde. Er braucht Wasser. Er braucht die Sonne. Er braucht das Leben selbst. Und er schämt sich nicht dafür. Er weiß voller Vertrauen, dass alles für ihn da ist.

Wir Menschen sind die einzigen, die glauben, es sei nichts für uns da. Und schon werden unsere natürlichen Bedürfnisse zu gefährlichen Abgründen. Wir versuchen möglichst wenig zu brauchen und schämen uns für alles, was wir nicht alleine schaffen.

Süchtig werden wir nur, wenn wir unsere Bedürfnisse missachten und unterdrücken. Wenn wir jahrelang Diät halten und damit gegen unsere Bedürfnisse gehen, können wir beobachten, dass wir dadurch süchtig nach Essen werden. Denn irgendetwas in uns, das unbedingt überleben will, verselbständigt sich und nimmt sich, was es braucht. Meistens auf eine heimliche unterdrückte Art und Weise.

Wenn wir liebevoll mit uns selbst umgehen und auf unsere Bedürfnisse achten, können wir nicht süchtig werden.

Ich lade dich ein zu überlegen, wo du noch deine Bedürfnisse verurteilst oder dich für sie schämst. Wo glaubst du, du müsstest alles alleine tun? Was sagt deine Seele dazu?

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