Mensch, bist du langweilig geworden! PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Montag, 16. August 2010

Mir scheint, dass viele Erwachende diesen Satz früher oder später von Freunden und Bekannten zu hören bekommen. Da du während des Erwachens meist weniger Interesse an den Dingen hast, die andere als „normal“ empfinden, wirst du vielleicht als seltsam abgestempelt. Es ist für viele unverständlich, warum du gerne alleine zuhause bleiben möchtest, wenn man doch auch eine Veranstaltung oder eine Party besuchen könnte.

Vielleicht hattest du vor Jahren einmal die Vorstellung, durch dein Erwachen interessanter zu werden, eine schillernde Gestalt die vor lauter Wissen und sprühender Unternehmungslust überströmt. Dieses Bild hat dein Verstand produziert. Dein Verstand hat sich ausgemalt, es sei gewinnbringend die Rolle eines erwachten Menschen zu spielen – so wie er sich das vorstellt.

Doch was während des Erwachens wirklich geschieht ist, dass die alten Rollen langsam zerfallen. Anstatt all diese schillernden Rollen zu spielen, bist du einfach du. Und anstatt jeden Spaß mitzumachen, um dich lebendig zu fühlen (Bungee Jumping, Felsklettern, Parties, Unternehmungen, Radikalfasten, Erlebnisreisen…) bist du einfach öfter in der Stille bei dir.

Wenn man nicht mit der Seele verbunden ist, dann sucht man ihre Tiefe und Intensität im Außen. Man glaubt, wenn man nur intensiv genug lebt, dann würde man sich schon erfüllt fühlen. Aber dieser Weg hat einen Haken – es ist nur der äußere Weg, der das Innere nicht einbezieht. Erfüllung beginnt im Sein und das braucht nun einmal keine äußeren Voraussetzungen.

Während wir unserem wahren Sein näher kommen, lieben wir die Stille. Die ganz einfachen Dinge des Lebens bekommen eine neue Tiefe. Es muss gar nicht so viel Programm im außen sein, die Erfahrung im Inneren erfüllt uns schon so sehr. Und mit der Zeit kommt ein neues Interesse an den Dingen des äußeren Lebens – aber anders als vorher.

Es ist okay, in den Augen anderer langweilig zu sein. Das bedeutet ganz einfach, dass du nicht mehr nur im Außen lebst, sondern begonnen hast auch den inneren Weg wahrzunehmen. Du verschwindest nicht vollkommen im Sein, du rückst eher in ein neues Gleichgewicht. Du brauchst nicht alles machen, was alle anderen tun - finde einfach deinen Rhythmus, deine Vorlieben und beobachte, was sich für dich stimmig anfühlt. Langweilig für andere – stimmig für dich…

Bild: Mikebaird Some Rights reserved.