Ich will ein Zentrum gründen PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Dienstag, 23. Februar 2010

Vor einigen Jahren habe ich einen Workshop zum Bewussten Atmen besucht. Wir Teilnehmer saßen in einer kleinen Runde zusammen und jeder stellte sich vor. Eine Frau erzählte, dass es schon immer ihr Wunsch gewesen sei, ein spirituelles Zentrum zu gründen: „Ich möchte einen Ort finden, wo man zusammen leben und lernen kann. Einen Ort für Heilung und gemeinsame Entwicklung.“

Alle anderen Teilnehmer nickten verständnisvoll. Es ist beinahe schon eine Standard-Vorstellung bei den meisten spirituellen Menschen. „Ich möchte ein Zentrum gründen“, das hört man immer wieder. Umso mehr erstaunte es mich, dass unsere Seminarleiterin die Teilnehmerin ganz erstaunt fragte: „Warum willst du das tun?“ Die Teilnehmerin erklärte, dass sie eben einen Ort gründen möchte, wo Menschen geborgen sind und gemeinsam lernen können. Die Seminarleiterin antwortete einfach nur: „Aber dieser Ort ist doch die Erde! Die Erde ist ein Ort, wo wir geborgen sind und wo wir lernen dürfen. Die Erde ist bereits ein Zentrum für Heilung und Wachstum.“

Wir Teilnehmer schauten ziemlich empört. Wie kann diese Seminarleiterin es wagen, solch einen schönen Traum als überflüssig darzustellen?

Aus meiner heutigen Sicht kann ich gut verstehen, warum sie diese Aussage gemacht hat. Denn tatsächlich haben viele Menschen, die ein Zentrum oder etwas ähnliches gründen möchten, eine tiefe Abneigung gegen das Leben hier auf der Erde: Das Leben ist so hart – ich möchte einen Ort gründen, wo alles weich ist. Das Leben ist so einsam – ich möchte einen Ort gründen wo man immer zusammen ist. Zu diesem Leben gehört das Thema Geld – ich möchte einen Ort gründen, wo man kein Geld braucht.

Ich weiß heute, dass aus dieser Ablehnung dem Leben gegenüber nichts entstehen kann. (Zumindest nicht hier auf der Erde.) Damit hier auf der Erde etwas wachsen kann, wie zum Beispiel ein Zentrum, braucht es eine tiefe Hingabe an das Leben. Es braucht eine Liebe zur Erde, ein Verständnis für das Leben hier, eine Freundschaft mit dem Thema Geld und eine ganze Menge innerer Stärke.

Natürlich ist es schön zu träumen. Meiner Ansicht nach ist es allerdings wichtig zu prüfen, ob man sich in diese Träume flüchtet. Es ist so leicht, darauf zu warten ein großes Zentrum zu gründen, und dabei die kleinen Schritte zu verpassen, die man jeden Tag gehen kann. Wenn ein Traum unser Leben überschattet, uns aus dem Jetzt herausholt oder sogar vom Jetzt ablenkt, ist dieser Traum ein Hindernis und es wäre hilfreich, ihn beiseite zu legen.

Womit wir uns beschäftigen, dorthin fließt unsere Energie. Für mich ganz persönlich ist es wichtig, dass meine Energie in meinen Alltag fließt, denn nur dort entsteht Neues - in kleinen unspektakulären Schritten. Ich habe meine Träume gegen mein Leben eingetauscht. Ich warte nicht mehr darauf, dass irgendwann in meinem Leben etwas Großes geschieht. Ich träume heute von kleinen Schritten, von winzigen Erkenntnissen und stetigem Üben.

Natürlich ist es lustig zu beobachten, dass ganz nebenbei Räume des Lernens um mich herum entstanden sind. Diese Räume sind wandelbar, sie fließen von einem Seminarort zum anderen, befinden sich im Internet oder am Telefon – aber sie sind real.

Vielleicht können die Träume in uns nur Wirklichkeit werden, wenn wir aufhören zu träumen und beginnen zu leben. Es ist ziemlich unspektakulär jeden Tag kleine Schritte zu gehen, aber es führt uns dorthin, wo wir hingehen wollen.