| Egoparade |
|
| Blogs - Leas Blog |
| Geschrieben von: Lea Hamann |
| Montag, 12. Juli 2010 |
|
Als wir dort ankamen, waren wir berührt von der schönen Anlage rund um das Hotel. Uralte Bäume, viele lauschige Plätze mit Liegestühlen und Hollywoodschaukeln wo man den Sommer genießen konnte. Durch die Zweige der Bäume konnte man den Starnberger See glitzern sehen. Idylle pur. Neben dem wunderschönen Ambiente bemerkten wir ziemlich schnell, dass dieses Hotel wohl von Klientel der oberen Preisklasse bevorzugt wird. Es war lustig zu beobachten, wie sehr diese Tatsache "Wir haben Geld", Menschen in ihrem Verhalten prägt. Es scheint beinahe eine Religion zu sein. Es gab einige Seminarräume, die von Manager-Seminaren und Führungskräfte-Coachings belegt waren. Da waren sie also alle, die Leiter von großen Firmen. Der Parkplatz war schwarz. Ganze Reihen von dunklen BMW's (mit Ledersitzen) standen nebeneinander. Das Interessante war für mich, zu beobachten, wie verloren ein Mensch sich fühlt, der äußerlich alles hat, wovon andere nur träumen, und trotzdem verzweifelt ist. Beim Essen kam es dann bei der brodelnden Masse aus älteren reichen Menschen und gestressten bitter dreinschauenden Managern regelmäßig zu einem Feuerwerk. Die Kellner, die sowieso schon permanent schuldig aussahen, schlichen zwischen den Tischen herum. Die Angst einen Fehler zu machen, stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Aber wenn jemand nur darauf wartet, sich aufregen und empören zu können, dann findet er auch einen Grund. Und so beobachteten wir, wie Menschen, die eigentlich alles haben, sich ein wunderschönes Ambiente zu ihrer persönlichen Hölle machen können. Die Managergruppe wollte nicht an dem für sie gedeckten Tisch sitzen. Es war ihnen zu heiß. Die Kellner schleppten zusätzliche Sonnenschirme herbei. Nein, die Manager setzten sich an Tische, die bereits anderweitig reserviert waren: "Wir sitzen jetzt hier." Die Kellner schleppten die Gedecke hin und her. Die Manager schimpften laut. Der Coach der Manger-Gruppe winkt seinen Zöglingen zu und sagt: "Wer sich nicht durchsetzt, der bringt es in dieser Welt zu nichts." Wow. Dann kamen Pärchen und andere Urlauber hinzu. Jeder Einzelne trat auf, als würde ein Laufsteg zu seinem Tisch führen. Haare: Perfekt. Kleidung: Perfekt. Nur der bittere Blick und die verkrampfte Haltung lassen darauf schließen, dass es hinter der Fassade nicht besonders gut aussieht. Ich flüstere Matthias zu: "Das ist ja eine wahre Egoparade." Seit langem benutze ich dieses Wort einmal wieder. Es scheint so passend. Ego. Eine falsche Vorstellung vom eigenen Selbst. Ein künstliches Selbst, abgetrennt von der Liebe der Seele, abgetrennt vom eigentlichen Leben, abgetrennt von der Fähigkeit Freude zu empfinden, völlig verloren in der Erscheinung der äußeren Welt. Es war ein spannender Urlaub für uns. Nicht in die Dramen einzusteigen die sich rund um uns abspielten, sondern eine Insel der Stille zu bleiben. Eine Insel inmitten von Menschen, die erbittert zu sagen schienen: "Ich habe doch alles, warum geht es mir immer noch so schlecht?" Es muss ein schreckliches Gefühl sein, dort zu sein, wo viele andere Menschen gerne hinwollen, und zu fühlen, dass es einen nicht glücklich macht. Doch man könnte diese Erfahrung genauso auch dazu nutzen sich zu fragen: "Wenn mich das Außen nicht dauerhaft glücklich machen kann, wo ist das Glück denn zu finden?" Glück und tiefer innerer Frieden sind nicht einzig und allein im Außen zu finden. Es scheint so offensichtlich, doch viele Menschen haben diese einfache Wahrheit noch gar nicht erkannt. Und natürlich gibt es in jedem Menschen den Träumer, der glaubt, das neue Haus, der nächste Partner, oder die gute Figur würden ihn endlich glücklich machen. Wir können nur Mitgefühl mit diesen Anteilen in uns haben und ihnen zeigen, wo in Wirklichkeit Liebe und Erfüllung auf sie warten. Bild: Dave Hamster Some Rights reserved. |


Letzte Woche waren wir für drei Tage am Starnberger See, in einem wunderschönen Hotel. Ich hatte das Hotel schon länger ins Auge gefasst und da wir diesen Sommer ein paar kleinere Wochenend-Ausflüge machen wollten, ergriffen wir die Gelegenheit.







