Die bittere Seite des Lebens PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Mittwoch, 25. Mai 2011

Während unseres Seminars hier auf Kauai haben wir immer wieder darüber gesprochen, dass es verschiedene Formen von Schmerz gibt. Es gibt den Schmerz, der entsteht, weil wir nicht liebevoll für uns sorgen, z.B. wenn wir ohne Sonnenschutz in der Sonne liegen und dann einen Sonnenbrand bekommen. Dann gibt es Schmerz, der aus unserer eigenen Vergangenheit stammt, z.B. den Schmerz darüber, in der Kindheit abgelehnt worden zu sein. Neben diesen beiden Formen von Schmerz gibt es noch eine andere - nämlich den Schmerz, der ganz einfach ein Teil des menschlichen Lebens ist.

Egal wie sehr wir uns darum bemühen, jeder Art von Schmerz aus dem Weg zu gehen, solange wir diesen menschlichen Körper bewohnen, werden wir jeden Tag, in fast jedem Moment unseres Lebens, auch einen gewissen Schmerz wahrnehmen können. Manchmal sind es nur kleine Unannehmlichkeiten, vielleicht ist es dir zu heiß oder zu kalt - vielleicht drücken deine Schuhe oder dich stört der Lärm der von deinen Nachbarn kommt. Doch all das gehört zu den schmerzlichen Erfahrungen unseres Lebens.

Die Buddhisten sprechen von einer großen Mutter, die unsere Erde, alle Menschen und auch den ganzen Schmerz des Universums hält. Da wir alle ein Teil dieser großen Mutter sind, haben auch wir alle einen Teil dieses Schmerzes zu tragen. Wir alle sind ein Teil des großen Ganzen und wir alle tragen einen Teil des großen Ganzen, so wie es uns ebenfalls trägt.

Für mich lässt sich der spirituelle Weg sehr einfach auf einen Punkt bringen: Dem Schmerz nicht mehr ausweichen. Sei es die Unannehmlichkeit, die mir dieser Augenblick beschert, oder sei es ein Schmerz der aus der Tiefe meiner Vergangenheit auftaucht, oder sei es mein Teil des universalen Schmerzes - jedem Schmerz mit Liebe und Mitgefühl zu begegnen.

Alle Menschen, die einen besonderen Weg beschritten haben, sind ihrem Anteil von Schmerz anmutig und offen begegnet. Nelson Mandela verbrachte einen großen Teil seines Lebens in einer engen Gefängniszelle und hat sich erlaubt, diesem Schmerz zu begegnen. Die Zeit im Gefängnis hat ihn verwandelt - von einem Revolutionär zu einem leuchtenden Vorbild für Frieden, Vergebung und Freiheit. Der Schmerz, dem er selbst liebevoll begegnet ist, hat sein Herz geöffnet für den Schmerz aller Menschen. Auch Jeshua ist diesen Weg gegangen.

Viele Menschen beschreiten den spirituellen Weg, um ihre Unannehmlichkeiten endlich loszuwerden. Natürlich hat auch dieser Wunsch seine Berechtigung. Doch je mehr wir reifen, dürfen wir erkennen, dass auch die Schmerzen in unserem Leben uns formen, uns wachsen lassen und uns zu offeneren, mitfühlenderen Wesen werden lassen. Anstatt unser Herz vor dem zu verschließen, was leidet, dürfen wir lernen, unser Herz wieder zu öffnen. Erst dann entdecken wir die Unendlichkeit, diesen Ozean des Mitgefühls, der in jedem Menschen schlummert.