| Der lange Weg in die Fülle |
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| Blogs - Leas Blog |
| Geschrieben von: Lea Hamann |
| Samstag, 02. Januar 2010 |
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Liebe Lea! Ich bin momentan völlig am Ende, hab ich das Gefühl. Seit gestern so heftige Wutanfälle wie noch nie. Ich würde am liebsten einfach mit einem großen Knall verschwinden! Ich weiß damit nicht umzugehen. Hast du einen Rat? Ich atme hinein, wenn es geht. Aber dann sehe ich, dass ich bald (spätestens im März) wirklich gar kein Geld mehr habe und wieder könnte ich explodieren! Und wieder und wieder wegen all der Dinge/Umstände, die ich mir anders gewünscht hatte!Obwohl ich fast nichts mehr habe, habe ich das Gefühl, mir diese Dinge (Seminar usw.) leisten zu können. Dabei würde jeder, der bei Verstand ist, sagen, dass es nicht geht! Wenn ich hineinatme und meine Seele frage, dann bekomme ich die Antwort, dass Geld fließen wird. Wenn ich mich aufmachen will zum Arbeitsamt, hält mich ganz deutlich etwas zurück! Ich bin am Ende mit meinem Latein und natürlich ist es auch das Nicht-Vertrauen in meinen Weg...Aber ich bin halt völlig ratlos, ich weiß einfach nicht mehr, was richtig ist oder was ich besser sein lassen sollte! Wen lasse ich da eigentlich bestimmen??? Frage ich mich. Es ist fünf vor zwölf, und ich habe keine Antwort! Ich würde mich über ein paar Anmerkungen von dir sehr freuen!Wow. Ich kenne diese Gefühle so gut. Und es ist so schön, dass du sie ansprichst und nicht einfach herunterschluckst. Vorweg möchte ich sagen, dass alle Menschen, die mir jemals geschrieben oder gesagt haben, dass sie sich z.B. ein Seminar nicht leisten können - genau diesen Gefühlen aus dem Weg gehen. Die meisten Menschen haben um ihr Leben eine große Armuts-Mauer. Die besteht aus Verzweiflung, Selbsthass, Trauer, Ohnmacht, Härte, Grausamkeit und noch ein wenig mehr Verzweiflung. Niemand möchte diese unangenehme Mauer berühren. Deshalb bleiben wir hinter der Armutsmauer stehen. Leiden ein wenig, aber es geht gerade so eben. Natürlich bin ich kein Fan davon, Mauern mit Gewalt aus dem Weg sprengen. Mein Weg ist es auch nicht, mit Gewalt Geld auszugeben, ohne mich für die Armutsmauer zu öffnen. Ich bin ein Fan davon, mit dieser Mauer zu sein, die mein Leben bestimmt. Selbst wenn es ein großer Berg voller Verzweiflung und Hass ist, der Fülle verhindert. Ich kenne das Gefühl, vor dem Nichts zu stehen. Als ich mein Studium abgebrochen habe und wusste, dass ich im nächsten Monat meine 450 Euro von meinen Eltern nicht mehr bekommen würde, war das ein seltsames Gefühl. Ich habe sehr viel geweint in dieser Zeit. Ich wusste, dass ich nicht zurückkehren kann in mein altes Leben. Ich konnte mich auch nicht zwingen, einen Job anzunehmen, ich hatte gar keine Kraft dazu. Ich konnte nur daliegen und atmen und hoffen, dass meine Seele weiß, wohin sie mich führt. Obwohl ich ganz fest mit meinem finanziellen Ruin gerechnet habe, ist er nie gekommen. Das Konto war auf Null, aber es ist auch wieder etwas nachgekommen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass meine Seele mich immer gut geführt hat. Das heißt nicht, dass sie mich diskret an den Armutsmauern vorbei geführt hätte, oder es mir erspart hätte, ab und zu einen Geld-Rappel-Durchdreh-Moment zu erleben. Nein, sie hat mich immer zu meinem tiefsten Schmerz geführt. In meine größte Angst. In meine tiefste Verzweiflung. Nicht, weil meine Seele eine kleine Sadistin ist, sondern weil sie genau weiß, dass diese Mauern nur schmelzen können, wenn ich sie wieder wahrnehme. Ich bin wie die Sonne, die Eismauern zum Schmelzen bringt, einfach durch mein Dasein. Und wer wirklich Fülle haben möchte, muss diese Mauern wahrnehmen, und bei diesem Schmerz sein. Sorry, es ist so. Natürlich probieren die meisten aus, sich darum herum zu schlängeln oder greifen nach irgendwelchen scheinbaren Geld-Zaubermittelchen, die allesamt nicht helfen können. Armut ist eine tiefe Form von Verletzung. Eine tiefe Wunde. Und selbst wenn wir Geld haben und in einem Land leben, das so schnell niemanden verhungern lässt, können wir diese Wunde spüren. Sie heilt nicht, indem wir sie verleugnen, darüber hinweg gehen und versuchen um sie herumzugehen. Sie heilt, wenn wir bei ihr sind. Bei der Mauer aus Verzweiflung und Trauer und Angst sitzen und atmen. Dasein bis du bemerkst, dass etwas leichter und ruhiger wird. Und eins ist ganz sicher: Es lohnt sich. Mittlerweile freue ich mich über jede noch so kleine Geld-Sinn-Krise, denn ich weiß sie wird mich wieder ein wenig reicher machen. Sei stolz auf dich für deinen Mut. Du machst so einen wundervollen Schritt in dein Leben. Habe ganz viel Geduld mit dir und allen Gefühlen die aufkommen, während du diese Wunde heilen lässt. Du musst (und kannst) nicht wissen, woher die neue Fülle kommen wird. Aber während du diesen Armuts-Berg schmelzen lässt, kannst du beginnen, sie einzuatmen, sie zu fühlen. Und dich auf sie zu freuen. Alles Liebe, Lea Bild: m-c Marie-Chantale Turgeon Some rights reserved, Website |




Ab und zu beantworte ich Fragen, die mir per Email zukommen. Gestern habe ich eine Frage zum Thema Geld und Vertrauen bekommen. Mal sehen, was mir dazu einfällt...









