Deinen inneren Jugendlichen integrieren PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Mittwoch, 30. November 2011

Diese Woche habe ich mit einer Klientin über einen Anteil gesprochen, der sich als jugendlicher Anteil entpuppt hat. Während dem Gespräch fiel mir auf, dass gerade spirituelle Menschen oftmals das Gefühl haben, ihre jugendlichen Aspekte seien besonders negativ oder unerwünscht. Umso wichtiger, dass wir diese Anteile bewusst wahrnehmen.

Als Jugendliche kommen wir in die Phase, wo wir selbständig handeln können. Hier beginnen die ersten Versuche, das eigene Leben zu gestalten. Wir mussten eine bestimmte Menge Schmerz in der frühen Kindheit ertragen und als Jugendliche sehen wir auf einmal die Möglichkeit, diesem Schmerz zu entkommen. Wir entdecken unsere eigene Kraft. Wir lernen aus der eigenen Familie und dem Schulalltag zu fliehen, und stürzen uns mitten hinein in einen neuen Freundeskreis und neue Abenteuer.

Gerade in der jugendlichen Phase werden wir mit starken Gefühlen konfrontiert: Die erste große Liebe, die ersten großen Enttäuschungen und vor allem eine immer stärker werdende Gewissheit, wie verrückt diese Welt wirklich ist. Als Kind konnte man noch glauben, die Erwachsenen wären tatsächlich weise und ehrlich, doch als Jugendlicher erhaschen wir unsere ersten Blicke hinter die Fassade. Wir erkennen das Unglück und den Wahnsinn, den die meisten Menschen auf dieser Erde leben - und für vollkommen normal halten.

Der Jugendliche in unserem Inneren ist der Anteil, der sich nicht anpassen möchte und eine tiefe Hoffnung hat, dass es irgendwo anders besser ist als hier. Kein Wunder also, dass gerade in dieser Zeit Süchte und Abhängigkeiten zum Vorschein kommen. Der Jugendliche flüchtet sich in andere Welten (Fernsehen, Videospiele, Internet...) wenn er nicht gezeigt bekommt, wie man ein erfüllendes, balanciertes Leben erschaffen kann.

Als erwachende Menschen begegnet uns dieser innere Jugendliche früher oder später. Er ist ein Teil von uns, der nach Hause kommen möchte. Die Frage ist, ob wir bereit sind, uns diesem Anteil zu öffnen und ihm die Möglichkeit zu geben, anzukommen. Anstatt die extremen Schwankungen des Jugendlichen auszuleben - oder vorübergehend zu unterdrücken, können wir diesem Teil von uns begegnen. Wir können der Fels in der Brandung dieser starken Gefühle sein.

Ich glaube es wäre sehr gut für diese Erde, wenn mehr Menschen ihren inneren Jugendlichen integrieren. Wenn wir den inneren Jugendlichen unbewusst ausleben, dann gibt es in unserem Leben immer wieder emotionale Achterbahnen, eine Tendenz aus der Realität zu flüchten und einen unterschwelligen Kampf mit dem Alltag. Wenn wir den Jugendlichen unterdrücken, damit wir so richtig schön „spirituell“ sein können, dann wirken wir auf Dauer vielleicht etwas bleich und abgeklärt und unserem Leben fehlt die lebendige Kraft.

Wie geht es dir mit deinem inneren Jugendlichen? Ist dir dieser Jugendliche bereits begegnet? In welchen Situationen kommt er zum Vorschein? Wie geht es ihm?

Wenn du magst, lass den weichen Atem fließen und heiße deinen inneren Jugendlichen willkommen. Er kann es zwar nicht zugeben, freut sich aber ganz tief im Inneren, dass du an ihn denkst.