Das lasse ich mir nicht mehr bieten PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Dienstag, 24. August 2010

Immer wieder berichten mir Klienten, dass sie Situationen erleben, die schmerzhaft für sie sind und fragen mich, wie man diese Situationen zukünftig vermeiden kann: „Wie kann ich erreichen, dass meine Partnerin nie wieder zu spät kommt? Wie kann ich erreichen, dass ich nie wieder von meinem Chef übergangen werde? Wie kann ich erreichen, dass mein Partner nie wieder Erwartungen an mich hat? Wie kann ich erreichen, dass mein Baby nie wieder schreit?“

Meine Antwort ist: Überhaupt nicht. Genauso wie ein Baum es nicht erreichen kann, dass niemals wieder der Winter kommt, genauso wenig können wir alle unangenehmen - oder besser herausfordernden - Situationen unseres Lebens auf immer und ewig loswerden.

Wir leben in einer Welt, in der Menschen zu spät kommen, uns übersehen, missverstehen, Erwartungen an uns haben, unfreundlich sind und Babies schreien. Es ist so. Und dagegen anzukämpfen macht uns traurig. Solange wir versuchen, alles was uns unangenehm ist aus unserem Leben zu verbannen, werden wir sehr isoliert und einsam leben müssen. Wie können wir uns auf eine Partnerschaft mit einem Menschen einlassen, wenn wir auf keinen Fall unangenehme Situationen erleben möchten?

99,99% aller Menschen tragen alten Schmerz in ihrem Inneren. Solange dieser alte Schmerz da ist, wird er berührt werden, meistens von anderen Menschen. Der Verstand, der keinen Schmerz fühlen möchte sagt dann gerne: „Dass ich jetzt Schmerz habe, daran ist mein Partner Schuld. Schon wieder hat er Erwartungen an mich. Das lasse ich mir nicht mehr gefallen. Da suche ich mir schnell einen Partner, der niemals wieder Erwartungen an mich hat.“ Doch komischerweise hat der nächste Partner wieder Erwartungen, und der nächste, und der nächst, und der nächste…

Wenn wir erwachen, haben wir die wunderbare Chance mit dem zu sein was ist. Wenn Situationen aufkommen, die wir früher vermeiden wollten, können wir sagen: „Oh, das ist jetzt so. Ich kann damit sein.“ Wenn der Schmerz in unserem Inneren aufkommt, können wir ihn wahrnehmen und damit sein. Wir können dem begegnen was ist.

Dadurch nehmen wir all dem, was wir bisher ängstlich vermieden haben, den Schrecken. Auf einmal wissen wir: „Egal was geschieht, ich kann damit sein.“ Anstatt dem Leben (und anderen Menschen) zu misstrauen, können wir wieder offen sein für das was ist.

Wenn wir ganz genau hinschauen können wir vielleicht sogar die Weisheit in diesen Situationen erkennen. Vielleicht sagen wir eines Tages zu unserem Partner: „Danke, dass du heute später gekommen bist, als geplant. Ich konnte so gut damit sein und es hat sich so viel gelöst. Schön dass du da bist. Danke.“