Behutsamkeit erlernen PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Sonntag, 22. Februar 2009

Manchmal gibt mir meine Seele nur ein einziges Wort, das mich eine Weile begleitet. Vielleicht kommt hier meine Vergangenheit durch, meine vielen Erfahrungen mit ZEN und Meditation in früheren Lebenszeiten. Ich finde es auf jeden Fall immer sehr schön, dieses eine Wort sinken zu lassen und seine Tiefe eine Weile zu erforschen. Und es ist schön, dieses eine Wort in meinem Inneren immer wieder zu hören. Ich möchte diesmal gerne mein aktuelles Wort mit dir teilen.

Seit zwei Wochen begleitet mich das Wort Behutsamkeit. Je mehr ich mich diesem Wort zuwende und wahrnehme, was es bedeutet, Behutsamkeit in meinem Leben zu erlauben, wird mir bewusst, wie viel es hier für mich zu lernen gibt. In einer Zeit, in der sich so viel bewegt, in der nichts so ist wie es einmal war – weder im Innen noch im Außen – geraten wir manchmal in eine gewisse Härte. Sei es der Stress den wir uns machen, dass Dinge schnell erledigt werden sollen. Manchmal sind wir auch achtlos uns selbst gegenüber und muten uns zuviel zu. Oder wir vergessen ganz einfach diese liebevolle Aufmerksamkeit uns selbst gegenüber. Im Folgenden möchte ich mitteilen, was mir persönlich bei der Beschäftigung mit Behutsamkeit aufgefallen ist.

Ich bemerke, dass mir dieses Ausprobieren von Behutsamkeit vor allem bei meiner Arbeit sehr entgegen kommt. Da ich mit Energie arbeite und Energie fließen lasse, wie zum Beispiel beim Channeling, ist es eine Herausforderung zu fühlen, dass so viel da ist was fließen möchte. Der Körper ist begrenzt in der Lage, Energie fließen zu lassen und das menschliche Selbst neigt dazu, Angst zu haben so viel fließen zu lassen. Je mehr ich mit dieser Behutsamkeit an meine Arbeit herangehe, merke ich, dass dies mir hilft offen zu bleiben. Behutsamkeit heißt in diesem Fall, langsamer werden, noch mehr bei mir zu sein und zu wissen, dass es nur darum geht, dass ich mich wohl fühle.

Das Neue behutsam fließen lassen.

Auch an meinen kurzen Abstecher ins Tai Chi, den ich letzten Sommer gemacht habe, muss ich dabei denken. Denn die behutsamen, bewussten Bewegungen, sind mir geblieben – auch wenn ich die Form, die wir monatelang geübt haben, von einem Tag auf den anderen wieder komplett vergessen habe. Aber das weiche Gehen, das Innehalten in einer Bewegung, das ist mir geblieben. Eine größere Behutsamkeit in der Bewegung. Gerade beim Kochen kommt mir das öfter in den Sinn. Ich kann die Kartoffeln unter eiskaltem Wasser abbürsten, bis ich meine Hände kaum noch bewegen kann – oder ich lasse das Waser lauwarm fließen.

Ich bin das behutsame Zentrum inmitten von so viel Leben.

Auch im Umgang mit den weniger schönen Aspekten des Lebens, mit spannungsgeladenen Emails, mit dem Drama, das sich uns immer wieder anbietet, ist die Behutsamkeit hilfreich. Behutsam erspüren, was mir gut tut. Jedes Wort das ich schreibe, jeden Schritt den ich gehe, für mich gehen. Behutsamkeit hilft mir auch, mich nicht von der Begeisterung über das Neue davonreißen zu lassen. Größer, schneller und mehr ist nicht immer der Weg nach vorne. Die Behutsamkeit hilft mir zu spüren, wo wir gerade wirklich stehen und hilft mir dabei, das zu ehren.

Behutsam wachsen.

Selbst im Umgang mit meiner Seele hat mich die Behutsamkeit neu inspiriert. Wo ich früher versucht habe, auf eine immer ähnliche Weise mit meiner Seele in Kontakt zu sein, bin ich heute offener für die feinen Nuancen in unserer Beziehung. Manchmal nehme ich meine Seele so direkt und unmittelbar wahr, als wären wir in einem Gespräch vertieft und vollkommen aufeinander eingestimmt. Ab und zu bemerke ich inmitten von all dem Durcheinander, das der Alltag mit sich bringen kann, eine tiefe Ruhe – einen Ort des Lächelns der hinter allem steht. Es gibt auch Momente wo ich fühle, dass sie wie ein Hintergrund in meinem Leben ist, wie das Rauschen des Windes in den Zweigen. So berührt mich meine Seele wie ein Windhauch, wie das Kräuseln der Wellen auf der Wasseroberfläche. Behutsam zu erspüren, wo wir gerade stehen hält mich lebendig und beweglich.

Behutsamkeit in allen Dingen.

 

 

 

© Lea Hamann, Königstein, 2009
Dieser Text ist Bestandteil der Webseite www.eelea.de. Mehr Informationen über Lea Hamann und ihre Arbeit findest du auf ihrer Webseite www.eelea.de Dieser Text kann unverändert und im Ganzen, unter Hinzufügung dieser Fußnote, gerne frei auf nicht kommerzielle Weise weitergegeben werden.