Annehmen - Eine Fähigkeit der Seele PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Lea Hamann   
Sonntag, 25. Mai 2008

Foto: jlokij www.photocase.com

 

"Annehmen öffnet die Tür zum Ozean des Möglichen in deinem Leben"

Zitat von Sophia, gechannelt von Lea Hamann

Heute stehen auf unserem Balkon einige Pflanzen in schwarzen Plastiktöpfen, die darauf warten in einen großen Tontrog eingepflanzt zu werden. Die Pflanzen strahlen schon jetzt eine so große Freude aus, als könnten sie es kaum erwarten zu wachsen. Besonders die Weinpflanzen, die eine Seite unseres Balkons begrünen sollen, wirken richtig lebendig. Die schönen roten Sitzkissen machen das Sitzen auf unseren Holzstühlen richtig bequem. Und der blaue Sonnenschirm spendet die richtige Menge Schatten, wenn mittags die Sonne auf unseren Balkon scheint. Von einem leeren Raum verwandelt sich unser Balkon langsam in eine kleine Oase. Es geht langsam, Schritt für Schritt und mühelos. Wie kann es sein, dass sich unser Balkon mit Leben und Schönheit erfüllt – ohne dass wir uns dafür anstrengen?

Gestern habe ich mir im Internet das Ferienhaus auf Kauai angesehen, das ich gerne für Matthias und mich mieten möchte. Schon als ich es zum ersten Mal gesehen habe, war mir klar, dass dieses Haus paradiesisch schön ist. Die Miete kam mir damals ziemlich extrem hoch vor. Doch gestern fiel mir auf, dass das Haus und die damit verbundene Reise schon viel näher gekommen sind. Ich bemerkte, dass wir es uns beinahe schon leisten können. Ich bin noch nicht ganz angekommen, aber ich bin auf dem Weg dorthin. Und dieser Weg macht mir Freude. Es erinnert mich daran, wie man als Kind auf Weihnachten zuging. Der Adventskalender bereitete einen mit täglichen kleinen Geschenken darauf vor, die großen Geschenke am Weihnachtstag annehmen zu können.

Ich erlebe die Entwicklungen in meinem Leben sehr viel bewusster als jemals zuvor. Und ich beginne mit diesen Entwicklungen zu spielen. Veränderung ist für mich nichts mehr, was ich erkämpfe oder um was ich mich bemühe, Veränderung ist etwas was zunächst in meinem Inneren geschieht. Während ich mich zu einem Menschen entwickle, der einen Urlaub auf der Insel Kauai annehmen kann, wächst dieser Urlaub auch im Außen. Während ich mich zu einem Menschen entwickle, der die Liebe seiner Seele auch auf dem eigenen Balkon fließen lässt, beginnt mein Balkon sich zu verwandeln. Mittlerweile ist es ein spannendes Abenteuer zu beobachten, wie meine Schöpfungen sich entfalten und wachsen. Mittlerweile genieße ich, mit ihnen zu spielen und Freude zu haben an den Erfahrungen, die sie mir schenken. Sie zeigen mir immer ganz genau, wo ich in meinem Leben stehe.

Für mich hat sich herausgestellt: Was ich in meinem Inneren noch nicht angenommen habe, kann sich auch nicht in meinem Leben verwirklichen. Und ebenso: Was ich in meinem Inneren angenommen habe, verwirklicht sich auch im Außen.

Momentan fasziniert mich das Annehmen. Es ist der Weg, Neues in mein Leben hereinkommen zu lassen. Annehmen ist eine Fähigkeit der femininen Seite in uns Menschen, und vielleicht gerade deshalb ein wenig in Vergessenheit geraten. Oftmals höre ich, wenn es um das Thema Annehmen geht, dass Menschen versuchen die Liebe der eigenen Eltern oder die Liebe ihres Partners anzunehmen. Doch mir geht es zuerst einmal darum, das Annehmen nur auf die Liebe und die Fülle meiner eigenen Seele zu beziehen. Ich habe festgestellt, dass mein Bedarf an Energie und Liebe, an Geborgenheit und Zuwendung so unendlich hoch ist, dass kein anderer Mensch diese Bedürfnisse auf Dauer erfüllen kann. Mal ganz abgesehen davon, dass die wenigsten Menschen ihre eigene Liebe annehmen – und wo soll die Liebe dann herkommen, die alle Menschen so gerne geben möchten?

Wie viele Menschen habe auch ich mich – je älter ich wurde – zunächst zu einer innerlich sehr leeren Person entwickelt. Die Verbundenheit und Leichtigkeit meiner frühen Kindheit war verpufft und hinterließ eine große Leere. Mein Lachen war leer, meine Worte waren leer, meine Arbeit, mein Ausdruck, meine Wohnung und mein Leben waren leer. Mein Atem war leer. Es war nichts weiter als Luft, der durch meine Lungen hindurch strömte. Keine Liebe, keine Geborgenheit, keine Nahrung, keine Wärme für mich. Ich war wie ein leerer Brunnen. Ich hatte nichts zu geben. Ich hatte überhaupt nichts.

Als mein Weg zu mir selber dann richtig begann, bemerkte ich, dass ich mich unbedingt mit dieser Quelle in meinem Inneren verbinden möchte. Ich wollte wieder atmen. Ich wollte wieder annehmen lernen. Ich wollte mich wieder sicher und geborgen fühlen. Ich wollte nicht mehr länger leer sein. Der Weg, den ich gegangen bin und noch heute Schritt für Schritt gehe ist der Weg des Annehmens. Ich begann, die Liebe und die Energie meiner Seele wieder anzunehmen. Und ganz allmählich fühlte ich mich wieder verbunden und genährt. Vom Überleben kam ich zum Leben. Leichtigkeit trat ein. Ein tieferes Vertrauen konnte wachsen. Und noch immer bin ich dem Annehmen auf der Spur. Noch immer bin ich ganz interessiert dabei, das Geheimnis des Annehmens zu lüften.

Vielleicht geht es dir ebenso. Vielleicht hast auch du eine Art von Leere in deinem Leben kennengerlernt. Ganz egal, ob diese Erfahrung schon weit zurückliegt oder dich heute noch begleitet – vielleicht weißt auch du, wie sich Leere anfühlt. Traurig, einsam, verzweifelt und kalt – so habe ich sie zumindest wahrgenommen. Und während sich Bereiche meines Lebens mit der Wärme und der Liebe meiner Seele füllen, finde ich immer wieder bestimmte Flecken in meinem Leben, wo die Wärme noch nicht hingekommen ist. Als würdest du in deinem Garten an einem schattigen Plätzchen noch einen Rest Schnee entdecken. Und es ist eine Freude zu fühlen, dass meine Seele auch für diese Bereiche Liebe übrig hat. Und je mehr Liebe ich für mich einatme und annehme, desto mehr Schnee beginnt zu schmelzen und desto mehr Blumen können in meinem Leben erblühen.

 

 

Eine Übung zum Erlernen des Annehmens

Diese kleine Übung hat sich für mich und auch für die Teilnehmer an den Einzelsitzungen als sehr hilfreich erwiesen.

Lass dich wahrnehmen, dass du dich inmitten einer großen, offenen Landschaft befindest. Die Landschaft kann gefüllt sein mit Obstbäumen oder Blumenwiesen, es dürfen Bäche fließen, vielleicht gibt es sogar einen See in deiner Landschaft. Es darf so schön und idyllisch sein wie nur irgendwie möglich. Gib dir einen Augenblick Zeit, dich einfach nur wohl und gut zu fühlen in deiner Landschaft.

Der zweite Schritt ist, dass du dir um dich selber herum einen Zaun vorstellst. Dieser Zaun darf aus Metall sein, oder aus Holz. Er darf hoch oder niedrig sein – so wie es sich für dich stimmig anfühlt. Dieser Zaun zeigt dir, wo du bisher in deinem Leben eine Grenze gezogen hast. Innerhalb dieses Zauns befindet sich alles, was du bereits angenommen hast, und außerhalb dieses Zauns befindet sich alles, was du noch nicht angenommen hast. Es ist spannend das ganz genau wahrzunehmen. Wie klein oder groß ist der Raum innerhalb deines Zauns? Und wie unangenehm ist es, den Zaun rund um dich herum zu fühlen? Die meisten, die diese Übung bisher gemacht haben, nehmen ein Gefühl der Angst oder der Trauer wahr, wenn sie diesen Zaun wirklich wahrnehmen.

Es ist so wichtig, die Grenzen bewusst anzusehen, die ich mir gegeben habe. Vielleicht hast du diese Grenze von deinen Eltern abgeschaut. Vielleicht hast du diese Grenze angenommen, um ganz normal zu sein – so wie alle anderen. Es spielt im Grunde keine Rolle. So lange ich diese Grenze nicht bewusst wahrnehme, erlebe ich sie als reine Tatsache in meinem Alltag. Ich komme immer nur bis zu dieser Grenze und verstehe gar nicht warum. Und immer wieder ist es das gleiche Spiel. Am leichtesten nimmt man diese Grenze im Bezug auf die finanzielle Situation wahr. Warum steigt der Betrag auf deinem Konto nie über diese unsichtbare Grenze hinaus an? Es gibt so viel Geld auf dieser Erde, was sich in einem ständigen Fluss befindet. Es ist – wie Wasser – ständig unterwegs von hier nach da. Warum lässt du nicht mehr in dein Konto hineinfließen? Jeder Mensch steht in einer unbegrenzten Landschaft – doch wie bist du bereit anzunehmen?

Lass dir also einen Moment Zeit, deine Grenze wahrzunehmen. Lass dir ebenfalls Zeit wahrzunehmen, was außerhalb deiner Grenze liegt. Alle Gefühle, die damit verbunden sind, dürfen da sein. Du bist eingeladen, weder dagegen anzukämpfen, noch diese Gefühle zu analysieren oder zu versuchen, diese Gefühle zu lösen. Lass sie einfach da sein. Je tiefer du dich in deinen Bauch hineinsinken lässt – heraus aus dem Verstand – desto leichter kannst du einfach da sein. Je mehr du dich halten lässt – desto mehr lässt die Anspannung in dir selber nach.

Du bist eingeladen, deinen Atem ganz, ganz weich fließen zu lassen. Und einfach zu beobachten was geschieht. Beobachte, was sich verändert. Beobachte, wie sich deine Landschaft anfühlt. Beobachte, was mit dem Zaun geschieht.

Wie viel von deiner Landschaft magst du annehmen? Vielleicht können die Weite und die Schönheit der Landschaft auch durch die Maschen deines Zauns zu dir kommen. Vielleicht schmilzt dein Zaun mit der Zeit und du kannst dich über deine alte Grenze hinweg ausdehnen. Ich gebe hier ganz bewusst nicht vor, was du erleben oder beobachten sollst. Wenn du schon vorher ein festes Ziel im Kopf hast, bist du eventuell gar nicht mehr offen dafür einfach zu fühlen und geschehen zu lassen. Ich empfehle dir, diese Übung immer wieder nach Lust und Laune auszuprobieren und zu genießen, wie sich die Landschaft deines Lebens langsam verändert.

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Wenn ich es mit einem bestimmten Bereich meines Lebens zu tun habe, wo ich mir meine Begrenzungen bewusst machen möchte und mehr Fülle annehmen möchte, zum Beispiel, wenn ich möchte dass meine Wohnung sich mit noch mehr Schönheit und Gemütlichkeit füllt, dann gehe ich in meine Landschaft hinein und mache diese Übung nur im Bezug auf meine Wohnung. Was für eine Grenze habe ich mir im Bezug auf meine Wohnung gegeben? Und wie kann mein sanfter Atem mehr Fülle in mein Leben hineinbringen?

Das Annehmen ist für mich ein ganz natürlicher Teil meines Alltags geworden. Ich nutze Momente der Ruhe oder Wartezeiten beim Einkaufen oder während dem Autofahren dafür, ein wenig mehr Fülle für mich anzunehmen. Ich bin durch den weichen Atem darauf gekommen, wie einfach Annehmen sein kann. Annehmen ist keine abstrakte Vorstellungsarbeit, die man im Verstand erledigen kann. Annehmen bedeutet, mich wirklich weich und offen sein zu lassen und zu erleben, wie ich Energie durch mich hindurch in mein Leben fließen lasse. Ich konnte nicht wirklich annehmen, solange ich an das Märchen von „böser Energie“ geglaubt habe. Solange ich dachte, es gibt „dort draußen“ irgendetwas Böses und Feindliches, solange konnte ich mich nicht öffnen – für überhaupt gar nichts. Doch je mehr ich merkte, dass es nur mich selbst in der Landschaft meines Lebens gibt und dass mich nur meine eigene Energie berührt – die Energie meiner Seele, desto mehr konnte ich mich öffnen. Ich fühlte mich sicherer und gut aufgehoben. Und das ist eine wichtige Voraussetzung für das Annehmen.

Vielleicht hast auch du Lust, mehr über das Annehmen deiner eigenen Fülle herauszufinden. Vielleicht möchtest du mit der oben beschriebenen Übung spielen oder es fällt dir noch etwas viel Besseres dazu ein. Wie auch immer, du bist eingeladen. Es ist soviel da, was wir annehmen können. Ein ganzer Ozean der Liebe, der auf dich wartet. Fang einfach an!




© Lea Hamann, Königstein, 2009
Dieser Text ist Bestandteil der Webseite www.eelea.de. Mehr Informationen über Lea Hamann und ihre Arbeit findest du auf ihrer Webseite www.eelea.de Dieser Text kann unverändert und im Ganzen, unter Hinzufügung dieser Fußnote, gerne frei auf nicht kommerzielle Weise weitergegeben werden.