| Über Hingabe |
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| Blogs - Die Welt wandelt sich |
| Geschrieben von: Matthias Kreis |
| Mittwoch, 04. November 2009 |
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Hingabe ist etwas, das zeitweise in unserer Kultur nicht mehr besonders populär, ja geradezu verpönt war. Es wurde damit assoziiert, die eigene Kraft aufzugeben, sich unterzuordnen, keinen eigenen individuellen Standpunkt einzunehmen. In einer Gesellschaft, in der die Menschen gerade dabei waren, ihre eigene Individualität zu entdecken, hatte das alte Konzept von Hingabe scheinbar erstmal keinen Platz. Allerdings wirklich nur scheinbar. Denn dass das Wort Hingabe oft auf Widerstand stößt, basiert eigentlich auf einem Missverständnis. Dieses Missverständnis, das es uns oft schwierig macht, eine erwachsene und authentische Form von Spiritualität zu leben, ist jenes, dass wir oft zwei grundlegend unterschiedliche Formen von Hierarchien miteinander verwechseln. Der spirituelle Philosoph Ken Wilber Die andere, viel grundlegendere Hierarchie allerdings ist die sogenannte Wachstumshierarchie. Diese Form von Hierarchie ist überall in der Schöpfung und in der Natur enthalten. Wir erkennen sie zum Beispiel in der Evolution, wo sich unterschiedliche Arten jeweils aus den vorhergehenden entwickelt haben. Wir erkennen sie auch im Wachstum einer einzelnen Pflanze, die zuerst ein Samenkorn ist, dann ein Keimling und schließlich eine erwachsene Pflanze – immer hin zu mehr Komplexität und Entfaltung. Wenn es in der heutigen Spiritualität um die Hingabe an das Göttliche geht, ist das oft nicht besonders populär, da viele Menschen dabei sofort an die unnatürliche Form von Hierarchie denken, die durch Macht geprägt ist. Ein Weg aus diesem Dilemma sind in der gegenwärtigen Zeit populäre Konzepte wie „Alles ist eins“ oder „Jeder Mensch ist Gott“. Und so sehr uns diese auch dabei helfen können, erstmal Abstand von den alten Machtgedanken zu nehmen, so können sie immer nur ein erster Schritt sein. Wenn man bei ihnen hängenbleibt und auf dieser vorläufigen Ebene an ihnen festhält, können auch diese Ideen zu einer Sackgasse werden - weil man sich dann nicht erlaubt, sich darüber hinaus zu bewegen. Und in der Tat haben natürlich auch die Kirchen einiges dazu beigetragen, dass unser Gottesbild stark durch Machtgedanken mit geprägt wird, durch das Bild eines allmächtigen Gottes, der „über uns“ steht und die Menschen beurteilt. Nicht ausschließlich, aber dieses Bild schwingt doch immer irgendwo mit. Und dadurch wird es Menschen erschwert, eine für ein authentisches, spirituelles Leben absolut notwendige Hingabe an das Göttliche zu leben, weil immer wieder die alte Angst mit aufkommt. Aus diesem Grund sprechen wir unserer eigenen Arbeit auch bevorzugt von der Seele – als einem intuitiven Bild für das Göttliche, ohne die alten und behindernden Macht-Assoziationen. Das macht es leichter, sich wieder für das Göttliche in sich zu öffnen und auf alltäglicher Basis ohne all den unnötigen, ideologischen Ballast wieder eine neue Beziehung zu beginnen. Aber was bedeutet nun allerdings „Hingabe“, und warum ist sie so wichtig? Hingabe im Sinne der natürlichen Wachstumshierarchie bedeutet immer Hingabe an den nächsthöheren Entwicklungsschritt, die nächste Entwicklungsstufe. Hingabe ermöglicht es uns, uns für unser eigenes persönliches Wachstum zu öffnen, und damit verbundene Ängste oder feste mentale Vorstellungen, die uns behindern können, loszulassen. Das ist das Geheimnis der Hingabe, wie wir es zum Beispiel auch in spirituellen Praktiken wie Meditation oder dem Bewussten Atem erleben können. Das Göttliche, Gott, steht immer stellvertretend für die freiestmögliche, fließende Entwicklung, die Gesamtheit all unserer schöpferischen Potenziale. Das Göttliche, unsere Seele, lädt uns immer zur Weiterentwicklung ein, zur Neuentdeckung unseres Selbst, zu noch mehr Liebe. Und wenn wir uns unserem Göttlichen hingeben, sagen wir Ja zu diesem Weg, Ja zum Weg unserer eigenen Entwicklung und Entfaltung. Eine weitere Möglichkeit, die natürliche Form von Hingabe an das Göttliche besser zu verstehen und sie von der unnatürlichen Machthierarchie zu unterscheiden, ist die, dass wir uns die Hingabe an das Schöne vorstellen. So können wir uns zum Beispiel einem wunderschönen Sonnenuntergang hingeben, oder der körperlichen Liebe. All dies sind Elemente einer Hingabe an das Göttliche, und es kann uns helfen, wieder Zugang dazu zu bekommen. Jeder Tag mit Gott ist ein guter Tag, hieß es in einer Kirchengemeinde, in der ich vor vielen Jahren mal aktiv war. Jetzt beginne ich, die Wichtigkeit dieser Aussage wieder neu, auf einer neuen Ebene zu verstehen. Denn jeder Tag mit Gott, jeder Tag, an dem ich mich dem Göttlichen, meiner Seele hingeben kann, ist ein Tag, an dem ich offen sein kann für mein eigenes Potenzial, offen für meine Weiterentwicklung und Entfaltung, und für die Schönheit des Lebens.
Wenn dich dieser Text anspricht, freuen wir uns wie immer, wenn du ihn auch an andere weiterleitest, ihn ausdruckst, verteilst, was auch immer. Das kann anderen Menschen eine Freude machen und unterstützt unsere Arbeit. |




Wir erleben gerade allgemein in unserer menschlichen Gesellschaft eine Zeit des Erwachens und der neuen Einsichten. Dazu gehört es auch, dass alte Konzepte wieder neu betrachtet und auf einer neuen Ebene verstanden werden können – auch in der Spiritualität. In meinem persönlichen Leben erfahre ich das gerade mit dem Begriff Hingabe.












