Die Religionen dieser Welt PDF Drucken E-Mail
Blogs - Die Welt wandelt sich
Geschrieben von: Matthias Kreis   
Samstag, 03. Juli 2010

Ich bin immer wieder froh, dass ich mich in meinem Leben bereits mit vielen der religiösen Traditionen beschäftigt habe, die es auf unserer Erde gibt. Ich möchte sie eigentlich nicht gerne unbedingt so nennen – ich möchte lieber dem Beispiel von Deepak Chopra folgen, der sie als „Weisheitstraditionen“ bezeichnet. Denn das richtet den Fokus mehr auf das, worum es hier eigentlich geht: All das, was Menschen bereits über das Leben und seine tieferen Zusammenhänge herausgefunden haben.

Man kann Religionen als verschiedene Sichtweisen ansehen, die jene Menschen entwickelt haben, die sich jeweils aus ihrem persönlichen Blickwinkel und kulturellem Hintergrund heraus mit dem Göttlichen und der Natur des Bewusstseins beschäftigt und versucht haben, ihre Einsichten in Worte zu fassen.

Es gibt in diesem Zusammenhang die schöne Parabel von den Blinden, die versuchen, einen Elefanten zu  beschreiben, um den sie herumstehen. Der eine sagt, „ein Elefant, das ist ein dicker, rauer und warmer Schlauch“. Das ist der, der vor dem Elefanten steht und gerade am Rüssel herumtastet. Der zweite sagt: „Ein Elefant, das ein borstiges, kleines Seil. Dieser steht hinten am Schwanz. Und der Dritte wirft ein: „Ein Elefant, das sind vier große, starke Baumstämme!“ Jeder nimmt eine bestimmte Qualität des Elefanten wahr, aber keiner kann für sich in Anspruch nehmen, „den ganzen Elefanten“ wahrzunehmen.

Die Parabel möchte zum Ausdruck bringen, dass jede menschliche Wahrnehmung einen Teil, eine bestimmte Qualität des Ganzen beschreibt. Aber immer nur den ganz persönlichen Teil eben, nie das Ganze an sich.

Wir können uns bewusst werden, dass jede Qualität jeweils ihre ganz spezielle Ausstrahlung und Kraft besitzt, von der wir uns in unserem Leben unterstützen lassen können. Das lässt sich auf sehr direkte Weise auf die religiösen Traditionen unserer Welt übertragen.

So empfinde ich die kraftvolle Energie des Alten Testaments als besonders hilfreich in Zeiten, die viel mit innerem Aufgewühltsein und emotionalen Themen zu tun haben. Viele Texte aus dem „Buch der Psalmen“ z.B. haben hier eine tiefe, grundlegende Kraft, die uns unsere eigene, ursprüngliche Kraft wieder ins Bewusstsein rufen kann. Auch die Bücher Mose mit ihrer Geschichte der Befreiung aus der Sklaverei (welche ein Bild für unsere eigene innere Sklaverei ist, aus der wir wieder heraustreten können) haben eine enorme ursprüngliche Kraft, so wie viele weitere alttestamentarische Texte.

Was wir vom Buddhismus lernen können, ist ein klares und nachhaltiges Gefühl für die freie und leuchtende, eigentliche Natur des Bewusstseins – das, was allem in der Welt zugrundeliegt. Wir können erfahren, wie wir uns durch das innere Sinkenlassen und Ruhigwerden immer wieder mit dieser eigentlichen Natur unseres Bewusstseins und seiner tiefen und liebevollen Qualität verbinden können. Vom Buddhismus können wir außerdem einen offenen und undogmatischen Umgang mit Spiritualität lernen, was mich besonders anspricht. Denn im Buddhismus gibt es die Herangehensweise, dass „das gut ist, was funktioniert“ – sprich: Was uns zu einem freieren und erfüllteren Leben verhilft. Sehr pragmatisch und realitätsverbunden, finde ich.

Die tiefe Energie des Christentums ermöglicht uns eine Verbindung mit unserem eigenen Christusbewusstsein. Durch Jeshua gibt es auf dieser Erde bereits seit 2000 Jahren die Möglichkeit, ein tiefes Gefühl dafür zu bekommen, wie es sich anfühlen kann, wenn ein Christusbewusstsein tief mit unserer menschlichen Natur zusammenschmilzt und in dieser verwurzelt ist. Wie eine Vorlage oder energetische Schablone, auf die wir immer wieder zurückgreifen können. Dies kann etwas äußerst Kraftvolles und Hilfreiches sein.

Dies sind nur 3 kurze Beispiele, die mir dazu spontan eingefallen sind. Ich bin mir sicher, dass es zu jeder der Weisheitstraditionen auf unserer schönen Erde in diesem Sinne unendlich viel zu sagen gibt.

Was den heutigen Religionen in ihrer organisierten Form im Sinne der obigen Elefantenparabel natürlich sehr gut tun würde, ist ein bisschen Demut in genau diesem Punkt: Dass wir uns alle in diesem Bereich ein bisschen als „Blinde“ verstehen, dass keinen Menschen gibt, sei er nun Christ, Buddhist oder Moslem, der für sich in Anspruch nehmen kann, dass er „ES“ vollständig verstanden hat, sondern dass jeder ausschließlich ihre oder seine eigene, persönliche Wahrnehmung kennt. Wenn sich die (organisierten) Religionen der Welt auf diesen Punkt einigen könnten, wäre bereits viel gewonnen in Bezug auf einen friedlichen Umgang miteinander, ohne Hass und harte Fronten.

Und wäre es nicht wunderschön, wenn wir all die Weisheit, die in den vielen religiösen Traditionen bereits gewonnen wurde, als ein gemeinsames Erbe ansehen würden, von dem jeder Mensch, ganz egal welcher Herkunft, frei profitieren kann? Wie ein großes Reservoir von Reichtum, das allen Menschen zur Verfügung steht? Das wäre zumindest für mich wirklich ein Zeichen für eine Neue Zeit und eine sehr schöne Vorstellung.

 

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