Den Tag beginnen PDF Drucken E-Mail
Blogs - Die Welt wandelt sich
Geschrieben von: Matthias Kreis   
Donnerstag, 08. April 2010

Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, kommen wir wieder neu in die Welt. Unsere Seele war auf ihren nächtlichen Streifzügen unterwegs in den Gefilden, die ihr viel vertrauter sind, als unser Leben als Mensch auf der Erde. Wenn wir morgens erwachen, kehrt sie in gewissem Sinne jedes Mal wieder neu hierher ins bewusste, irdische Leben zurück.

Das kann natürlich die verschiedensten Gefühle in uns hervorrufen. Wir wissen, dass es sogenannte „Morgenmenschen“ gibt, die voller Energie aus dem Bett springen und sich am liebsten gleich auf die herausforderndsten Aufgaben stürzen würden. Und es gibt „Abend-“ oder „Nachtmenschen“, mit denen vor 12 Uhr mittags überhaupt nichts anzufangen ist, und die gegen 22:00 Uhr zur ihrer Höchstform auflaufen.

Wir Menschen tragen zwei große Systeme in uns, die für die Steuerung unserer Rhythmen von Ruhe und Aktivität zuständig sind. Diese formen das vegetative Nervensystem, das aus zwei einander ergänzenden Nervengruppen besteht, dem sympathischen und dem parasympathischen System. Das erste ist für alles zuständig, was mit Aktivität zu tun hat, Bewegung, Aufmerksamkeit, Leistung. Das zweite, der Parasympathikus, steuert alles, was mit Ruhe zusammenhängt, unter anderem den Schlaf, die Entspannung und unsere Verdauung.

Diese beiden befinden sich in einem ständigen Tanz oder natürlichen Rhythmus miteinander und begleiten uns durch unseren Tag – es sind die natürlichen Entsprechungen der ursprünglichen Qualitäten von Yin und Yang direkt in unserem biologischen Körper.

Im Idealfall bilden diese beiden Qualitäten ein harmonisches Gleichgewicht – mal ist das eine im Vordergrund, mal das andere, je nachdem, was gerade angebracht ist. Aber da wir als Menschen meist nicht ohne innere Verletzungen oder Prägungen aufgewachsen sind, ist bei vielen auch dieses System nicht so harmonisch ausgerichtet, wie es sein könnte. Je nachdem, mit welcher Erfahrung wir instinktiv ein Gefühl der Sicherheit oder Unsicherheit verknüpft haben, mit Aktivität oder Passivität, leben wir unser Leben oft schwerpunktmäßig aus einer der beiden Energien heraus, und versuchen die andere zu vermeiden.

So gibt es Menschen, die nie zur Ruhe kommen, und deren größte Herausforderung es ist, nach einem Tag voller Arbeit wenigstens zu ein paar Stunden Schlaf zu kommen. Auf der anderen Seite gibt es viele, die durch die Vorstellung von Aktivität oder Veränderung von Angst erfüllt werden, und die dazu tendieren sich immer wieder in ihr inneres Schneckenhaus zurückzuziehen, und aus dieser Einstellung heraus den Großteil ihres Lebens zu verbringen. Und die meisten leben gleichzeitig eine bunte Mischung aus beiden Mustern.

Diese Grundprägungen in uns sind oft bereits während unserer Geburt oder in den ersten Säuglingsjahren entstanden, und begleiten uns unbewusst ein ganzes Leben. Auf unserem Weg ins Erwachen und in die Neue Energie möchten auch diese tiefen Energien wieder in die Balance finden und heilen, so dass wir ein ausgewogenes und auf allen Ebenen erfüllendes Leben führen können. Dies geschieht nach und nach, und ein bewusster Umgang mit dieser Heilung kann uns sehr unterstützen.

Eine der einfachsten Möglichkeiten, bewusst mit diesem Prozess umzugehen, ist es, mal auf die eigenen Gewohnheiten am Morgen zu achten, wenn wir aufstehen und den Tag beginnen. Da die Seele am Morgen in gewissem Sinne immer wieder neu ins irdische Leben eintaucht, ist jedes Aufwachen am Morgen ein bisschen so wie eine kleine Geburt. Und durch jedes Erwachen am Morgen werden unsere inneren Urmuster wieder aktiv und werden angesprochen.

Ich gehöre tendenziell eher zu dem Typ, der es morgens gerne ein bisschen langsamer angehen lässt. Am Nachmittag und Abend hingegen fühle ich mich am kreativsten und aktivsten. Früher habe ich mich am Morgen oft gezwungen, aus dem Bett zu steigen, und in Zeiten von Schule oder Bürojob scheint einem ja auch nichts anderes übrigzubleiben. Aber dadurch bin ich immer wieder über viele verletzte und ängstliche innere Anteile gewaltvoll hinweggegangen, was der Heilung nicht unbedingt förderlich ist.

Heute mache ich es ein bisschen anders. Etwas, von dem ich gemerkt habe, dass es mich sehr unterstützt, ist es, dass ich mindestens 1 Stunde früher aufwache, als ich eigentlich aufstehen möchte. Ich bleibe dann im Bett liegen und habe viel Zeit zum atmen und hineinspüren, und dafür, jeden Morgen neu wieder ganz bewusst und liebevoll hier anzukommen. Und wenn ich dann aufstehe, bin ich bereits ganz da und angekommen, und verletzte innere Anteile bekommen genug Zeit, Vertrauen zu fassen und zu heilen.

Und das geht auch ganz früh, was mich sehr freut, da ich gerne viel vom Tag habe. Im Moment wache ich um 6:00 Uhr morgens auf, und steige um 7:00 aus dem Bett. Danach mache ich noch eine halbe Stunde leichte Körperübungen, meine freien Zusammenstellungen, inspiriert durch Tai Chi und Yoga, bevor ich dann mit Noah, unserem kleinen Hund, rausgehe. Dieses Bewegen am Morgen ist ebenfalls äußerst unterstützend, um die inneren Energien wieder liebevoll in Fluss kommen zu lassen.

Für „Morgenmenschen“ gilt das natürlich ganz genauso: Wenn wir morgens wild und aktiv sind, heißt das nicht unbedingt, dass alles in uns in Harmonie ist. Es kann auch sein, dass wir einfach einem bestimmten inneren Anteil folgen, von dem wir gelernt haben, dass es auf diese Weise mehr oder weniger gut funktioniert - und dass wir andere, feinere Anteile rau beiseiteschieben oder überhaupt nicht wahrnehmen. Auch dieses Ungleichgewicht möchte in der Neuen Energie heilen. Und ein bewusster Umgang mit dem morgendlichen Aufstehen und seinen Routinen kann uns dabei helfen.

Bewusst den Tag zu beginnen ist eine große Unterstützung auf unserem Weg in die Neue Energie.

(Bild: © Monialbe / PIXELIO )