Das Vater-Unser Drucken
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Geschrieben von: Matthias Kreis   
Montag, 08. Februar 2010

In der letzten Zeit weiß ich alte spirituelle Traditionen wieder auf neue Art zu schätzen, zum Beispiel das wundervolle Gebet des Vater-Unser. Es ist ein sehr kraftvolles Gebet mit großer, spiritueller Transformationskraft, auf die man sich einlassen und von der man sich unterstützen lassen kann.

Das Vater-Unser ist ein Gebet, das direkt von Jeshua stammt, und das er seinen Freunden nahelegte, auf die an ihn gerichtete Frage hin, "wie sie denn am besten beten sollten". Es gibt inzwischen einige schöne Bücher, die sich damit beschäftigen, die eigentliche Essenz des Vater-Unser wieder hervorzuholen und zugänglich zu machen, wie "Das Vaterunser: Meditationen und Körperübungen zum kosmischen Jesusgebet" von Neil Douglas-Klotz. Hier wird zum Beispiel erläutert, dass das ursprüngliche aramäische Wort abwûn (für "Vater") von seiner Wurzel her ungeschlechtlich ist, also weder männlich noch weiblich, bzw. beides. Weiterhin empfehlenswert finde ich von Kathleen McGowan "Vater unser: Deine Schatzkarte zu Gott", das bisher nur auf englisch erschienen ist, aber wohl in absehbarer Zeit auch auf deutsch erscheinen soll, wie auf amazon zu lesen ist.

So schön die verschiedenen Neu-Übersetzungen aus den Ursprachen auch sind - ich persönlich bin trotzdem eigentlich vollkommen zufrieden mit der traditionellen Version, wie sie beispielsweise in der Lutherbibel zu finden ist. Ich finde sie sehr kraftvoll und auf den Punkt gebracht. Hilfreich ist es natürlich, wenn man ein Gefühl dafür findet, welches die eigentliche spirituelle Botschaft der einzelnen Sätze ist.

Die einzige Änderungen, die ich für mich beim Vater-Unser mache, ist die, dass ich die "Bitten" bzw. "Gesuche" ("...führe uns nicht in Versuchung", etc.) in definitive Aussagen abwandele: "Du führst uns nicht in Versuchung." Denn Gott muss nicht zu irgendetwas überredet werden. Das Vater-Unser ist nach meinem Verständnis ein Hilfsmittel, sich mit der eigentlichen Natur Gottes wieder in Verbindung zu setzen und diese wahrzunehmen, und diese Aussagen sind demzufolge beschreibende und bestätigende Aussagen.

Hier also mein ganz persönliches Vater Unser (und meine Gedanken dazu):

Vater unser im Himmel
("Himmel" ist das, was sich jenseits der Welt der Erscheinungen befindet, die Quelle oder Essenz. Und mit "Vater" soll kein Geschlecht festgelegt werden. Es entsprach einfach dem damaligen Verständnis, und Jeshua nannte Gott auch liebevoll "Abba", was soviel wie "Papa" bedeutet.)

Geheiligt werde dein Name
("Geheiligt" = rein, frei von festlegenden Definitionen, im freien Fluss und in der freien Erfahrung)

Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden
(Die Manifestation des Wissens um die wahre Natur der Dinge auch auf der Erde, "Himmel" und "Erde" finden zusammen)

Du gibst uns unser tägliches Brot
(Wir werden nicht durch unsere eigene Anstrengung in unserem täglichen Leben versorgt, sondern durch das Göttliche, durch die Liebe unserer Seele)

Du vergibst uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben
(Für Gott existiert keine Schuld. Wer ein Gefühl von Schuld vor das Göttliche bringt, wird immer erfahren, dass alle Schuld vergeben ist. Und für die Menschen, denen wir selbst etwas nachtragen - dort liegt es in unserer Verantwortung, das loszulassen und heilen zu lassen.)

Du führst uns nicht in Versuchung, sondern erlöst uns von dem Bösen
(Bei und durch Gott gibt es keine Versuchung. Wer die wahre Quelle wieder fühlt, wird durch diese nicht zu Handlungen geleitet, die sich gegen das Leben oder gegen einen selbst richten.)

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
(Aller Wahrscheinlichkeit nach eine von späteren Autoren hinzugefügte Ehrbezeugung für das Göttliche. Aber dennoch sehr schön und kraftvoll.)

Das Vater-Unser war auch das zentrale Gebet der spirituellen Bewegung der Katharer in Südfrankfreich ("Okzitanien") und Südeuropa, von denen gesagt wird, dass sie sich aus der spirituellen Traditon von Maria Magdalena herleiteten. Bei den Gottesdiensten der Katharer, die nicht in Kirchen stattfanden sondern jeweils zuhause bei den einzelnen Gemeindemitgliedern, stand meist das Vater-Unser und seine Bedeutung im Mittelpunkt. Die Katharer florierten mehrere hundert Jahre in jener Region, bis sie dann von der Kirche in Rom in den berüchtigten Katharer-Kreuzzügen gewaltvoll unterdrückt wurden und in den Untergrund gehen mussten.

Aber auch die Tradition der Katharer beginnt in der heutigen Zeit wieder mehr ins Bewusstsein zu kommen, und auch ihr spiritueller Reichtum wird wieder zugänglich, wie man an zahlreichen Publikationen zum Thema sieht.